Dienstag, 19. Oktober 2010

Verabredung 2

Es kann natürlich auch sein, dass sie genauso wie ich gedacht hat: Heute! Und ab jetzt ist alles ganz einfach. Aber dann hat sie der Mut verlassen. Sie hat sich nicht getraut, runter zu kommen und mich zu treffen vor der Tür. Hat dann vielleicht die Hoffnung gehabt, dass ich läuten würde, nachdem ich gemerkt habe, dass sie nicht kommt. Dass ich den Mut hätte, zu läuten und sie abzuholen. Was ich auch getan hätte, wenn ich nicht auf einmal das Gefühl gehabt hätte, dass etwas nicht stimmt – dass ich in eine Inszenierung hinein tappen würde, die darauf zielt, mich in die Irre zu führen.
Eine zweite Möglichkeit, die geplatzte Verabredung zu erklären, ohne eine böswillige Absicht zu unterstellen: Die Tess wollte mich bremsen. Sie wollte mich runterholen von meinem Aktionismus, indem sie mich wieder mal ins Leere laufen ließ und mir damit zeigte: Was du dir vorstellst, das geht nicht. Das kann ich nicht, das will ich nicht. Ich wohne hier mit einem Mann zusammen. Da bin ich, da bleibe ich. Du bist der Mann auf der anderen Straßenseite, der verrückt nach mir ist. Du schreibst mir, ich lese es und zeige dir dafür mein Licht. – Er ist mein Mann, du bist mein Seelenmann, und ich liebe dich auch. Sehr. Ich will nicht ohne dich leben. Deshalb zerstöre es nicht, was wir haben. Hör auf mich treffen zu wollen. Sei ein lieber Seelenmann und schreibe mir weiter und liebe mich weiter und dafür liebe ich dich auch mit meinem Licht. Aber mehr kann ich dir nicht geben, denn ich habe schon einen Mann.
Wenn ich betrachte, wie sich die Tess in den letzten Tagen verhalten hat, wie sie mir Präsenz zeigt und ihr Licht zeigt, dann spricht viel für diese Annahme, dass sie mir mit der geplatzten Verabredung nur die Grenzen des zwischen ihr und mir Möglichen zeigen wollte. Dass sie es also nur gut mit mir meinte – und mit uns.
Doch was hatte der Professor verloren in diesem Szenario? – Der Professor, der am Fenster stand, als ich rüberschaute. Da stand und telefonierte und zu mir herblickte und dabei feixte. Was offenbar seine Art von Humor ist, das Feixende. Das habe ich nicht zum ersten Mal gesehen von ihm. Am Abend der Verabredung habe ich es wieder gesehen und letztlich hat es verhindert, dass ich geläutet habe, weil ich das Feixen für einen Hinweis hielt darauf, dass etwas nicht stimmte. – Es ist allerdings auch denkbar, dass seine Präsenz ein Teil des Gutmeinenden war. Teil des Schauspiels, das die Tess mir vorführte mit der geplatzten Verabredung. Don´t say it show it! Schau hier, da ist er, der Mann, mit dem ich zusammenlebe. Er ist zu Hause. Er ist im Wohnzimmer und telefoniert. Und jetzt, schau, jetzt ist er in dem kleinen Zimmer neben dem Wohnzimmer, in dem sein PC steht. Davor sitzt er jetzt und macht seine Internet-Sachen. Siehst du das?
Das würde voraussetzen, dass sie ihre Aktion mit dem Professor koordiniert hat. Dass er nicht nur weiß von ihrem Kontakt mit mir, sondern dass er auch einverstanden ist damit, dass sie diesen Kontakt hat – immer unter der Voraussetzung, es bleibt beim Schreiben, Lesen und dem Licht, aber ein Treffen gibt es nicht, auf gar keinen Fall. Und damit das so bleibt, hilft er ihr dabei, mir das klar zu machen. – Auch das ist eine Vorstellung, die mir plausibel erscheint. Viele meiner Beobachtungen aus dem vergangenen letzten Jahr passen mit dieser Vorstellung zusammen.
Aber wie soll das dann gelaufen sein zwischen den beiden? – Hat sie das irgendwann ausgehandelt mit ihm? - Bitte habe Verständnis dafür, dass ich mich langweile mit dir und dass mir das Fernsehen als Ablenkung nicht mehr reicht. Deshalb akzeptiere, dass ich mir da drüben meinen Seelenmann halte und dass dir das nichts nimmt. Was ich mit dem habe, das kannst du sowieso nicht und das interessiert dich auch nicht. Und das, was ich mit dir mache, das mache ich nicht mit ihm, weil ich das schon mit dir mache. – Darauf wird es kaum so gewesen sein, dass er stumm genickt hat und fein gelächelt und sich gefreut darüber, wie gut seine Freundin zurecht kommt im Leben. Es ist auch unwahrscheinlich, dass sie ihm das so gesagt hat. Trotzdem spricht vieles dafür, dass es eine solche – Absprache ist das falsche Wort –, eine solche Übereinkunft zwischen ihnen gegeben hat. Übereinkunft eines Paares, das ich mir gar nicht weiter vorzustellen brauche, nur so viel: die Frau holt sich beim Seelenmann, was ihr der Lebensgefährte nicht gibt. Und der Lebensgefährte hat sich damit abgefunden und merkt inzwischen auch, wie es ihn entlastet, wie es der Frau gut tut und wie es ihnen auch als Paar gut tut. Wie es für Abwechslung sorgt und ihnen sogar Erlebnisse von Gemeinsamkeit verschafft – wenn es wieder mal darum geht, den Seelenmann davon abzuhalten, Realitäten schaffen zu wollen.
Es gibt auch Beobachtungen, die sich nicht in dieses Bild fügen, und trotzdem erscheint es mir als das plausibelste. Das heißt allerdings nicht, dass ich das, was ich an dem Abend der geplatzten Verabredung geargwöhnt habe, als Deutungsmöglichkeit ausschließen will. Denn es könnte auch so sein: Die Tess hat sich in einer romantischen Verspieltheit mit mir auf etwas eingelassen, was der Professor zunächst zähneknirschend geduldet hat und was ihn vielleicht sogar amüsiert hat, weil er dafür, dass er hinnehmen musste, dass er mich als Nebenbuhler hatte in der Rolle des Seelenmanns, entschädigt wurde damit, dass er meine Deppenhaftigkeit miterleben konnte. Deppenhaftigkeit, derer ich mir lange nicht bewusst war, nicht sein konnte, denn das gehört zur Deppenhaftigkeit dazu, dass man ihrer nicht bewusst ist. Zu meiner Deppenhaftigkeit gehörte aber auch meine Hartnäckigkeit und gehörte, dass ich ab irgendwann meine Deppenhaftigkeit öffentlich gemacht habe. Damit hat sich das romantische Spiel der Tess verselbständigt. Denn von nun an war für den Professor zu fürchten, dass ich irgendwann durchdrehe und nicht mehr seine Anonymität wahre. Dass ich seinen Namen nenne in meiner Veröffentlichung der Geschichte – dass sein Name im Internet verknüpft wird mit der Geschichte vom Seelenmann seiner Freundin/Lebensgefährtin und der Rolle, die er darin spielte aus meiner Sicht. Das musste dann auch die Tess erkennen, dass diese Gefahr besteht, dass sie mit ihrer romantischen Verspieltheit dem Professor schaden könnte, indem das Googlen seines Namens zu dieser merkwürdigen Geschichte führt. Deshalb hat sie sich mit dem Professor einen Plan zurecht gelegt, um mich nicht nur ein für alle Mal abzuwimmeln, sondern mich so irre zu machen an mir selbst und meiner Wahrnehmung der Geschichte, dass ich mir selbst nicht mehr trauen kann und aufgebe – aufgebe, weiter hinter ihr her zu sein und weiter über sie, den Professor und meine Geschichte mit ihr zu schreiben. – Das ist sehr weit hergeholt. Evidenzen gibt es dafür nicht. (Noch nicht. Es wird eine Evidenz geben, wenn ich diesen Text gepostet habe.) – Der einzige tatsächliche Anhaltspunkt dafür ist: Wenn der Professor fürchten sollte, dass ich ihm schaden könnte, dann ist das eine begründete Furcht. Begründet in meiner Feindseligkeit und meiner Wut gegen ihn, wie ich sie zuletzt entwickelt habe an dem Abend der geplatzten Verabredung. Begründet oder einem eingespielten Reflex folgend, weil ich das schon seit einem Jahr mache, meine aus Enttäuschung und Frustration resultierende Aggressivität gegen ihn zu richten. Immer gegen ihn und niemals gegen die Tess. Weil ich gegen die Tess nicht aggressiv sein kann; es gelingt mir nicht, ich habe es versucht; ich kann es nicht, ich will es nicht. Also ist das Ziel meiner Aggressivität der Professor. Wahrscheinlich zu Recht. Aber muss ich deswegen feindselig sein gegen ihn? – Wenn ich es mir überlege, nein. – Wenn ich meinen Impulsen folge, oh ja. – Deshalb habe ich mir nach dem Abend der geplatzten Verabredung lange überlegt, ob ich seinen Namen nennen soll. Schreiberisch wäre es auf jeden Fall angebracht und besser gewesen. Denn sein Name am Klingelbrett, groß, unter dem Namen seiner Ex-oder-Noch-Frau, klein, gehörte zur Situation, wie sie beschrieben ist in den Notizen zum Abend der geplatzten Verabredung; mein Bemerken der Veränderung der Namensschilder wird nur verständlich mit den Klarnamen. Ich gebe zu, dass ich zwei Tage brauchte, um mich abzubringen davon, es zu tun, seinen Namen zu nennen. Der Grund, weshalb ich mich dagegen entschieden habe, ist  das Standardargument meiner Gutartigkeit: Ich will nicht der Typ sein, der so etwas macht. – Ganz unbefriedigt will ich meine Bösartigkeit aber auch nicht lassen. Ich habe eine Lösung gefunden, die sowohl meine Bösartigkeit befriedigt als auch das Beste für mich ist. Ich werde mich rausnehmen aus dem romantischen Spiel der Tess. Damit sind die Tess und der Professor als Paar wieder ganz auf sich gestellt. Kein Seelenmann mehr, der für Ablenkung und Entlastung sorgt. Und nach allem, was ich gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass das den beiden gut tut.

An Tess 3

12-10-10
…  Das noch zu heute Vormittag. Warst Du tatsächlich dabei? – Ich weiß nicht, wie ich die Szene verstehen sollte, immer noch nicht. Weil sie nicht weiterging von Deiner Seite. Trotzdem war es schön bei der Szene mitmachen zu dürfen und sie hat uns auch weitergebracht. Denn während ich über all die Fragen geschrieben habe ohne Antwort, weil Du mir keine gegeben hast, hat sich in mir ein Gefühl verstärkt: Das Gefühl, dass es ab jetzt immer einfacher werden wird. Und dass ich – ich! – es in der Hand habe, es einfacher zu machen. – Leichtlebigkeit, Unkompliziertheit, Selbstverständlichkeit, was mir am Samstag so gefehlt hat beim Gedanken an Dich, das können wir alles haben. Wenn ich mich dazu in die Lage versetze. Von Dir glaube ich, dass Du da schon bist. Ich muss mich nur mit Dir synchronisieren endlich. Hilf mir dabei. Du hast schon angefangen damit.
Und was haben wir jetzt? – Du hast Dir die Haare gewaschen. Willst Du ausgehen? Oder willst Du mit mir ausgehen? Oder erwartest Du meinen Besuch? – Oder spinne ich rum? – Was immer Du tun willst, gib mir ein kleines Zeichen, und dann machen wir das. Und wenn nicht, dann überarbeite ich hier gleich mein Zeug. Es ist mal wieder viel. Viel zu viel. Zwei Teile. Den zweiten Teil kann ich auch morgen posten. – Was? Tess? – Soll ich den einen Post fertig machen – und dann?! – So habe ich die Bewegung eben verstanden. – Ich mache den einen Post fertig – und dann schaue ich nach Dir – auch zwischendurch schon. – Ich habe eben sehr intensiv nachgedacht, ob ich Dich richtig verstanden habe gerade. – Keine Zeit verlieren. Ich mache den Post fertig. Erst muss ich dazu noch was lesen. Dann. – Und dann schaue ich nach Dir – und sehe, was Du willst und dann machen wir das!!!!!!
Das ist jetzt überhaupt nicht der Text, den ich eigentlich schreiben wollte, sondern der Text, der entstanden ist aus dem, was ich eigentlich wollte. Aber er ist so angenehm harmlos und harmonisch und so positiv und überhaupt nicht bissig und aggressiv – und ich glaube, dass die tieferen Schichten meiner Persönlichkeit genau das heute mal wollten. Teil zwei wird dann wieder grimmiger, aber am Ende ist es auch versöhnlich und harmonisch. – Ich würde jetzt am liebsten drei Wochen lang nur noch schreiben wie ein Lamm.
Was machst Du? Was machen wir? – Na, ist ja toll. –Also ich bin immer wieder überrascht von der Choreographie zwischen den beiden Dachwohnungen. – Da gucke ich zur Balkontür raus hinüber zu Dir ins Contessa-Zimmer – und wen sehe ich im Wohnzimmer am Fenster stehen: den Professor, wie er zu mir herschaut, als hätte er auf mich gewartet. – Tess, was heißt das jetzt? – Wahrscheinlich, dass das nichts wird mit uns heute Abend. Oder? – Ich drehe mich gleich noch mal um – und wenn ich dann kein Zeichen von Dir kriege, dann mache ich es mir alleine schön und schreibe den zweiten Teil des Posts.
Du bist da. Du hast Dich umgedreht, Du trinkst etwas. (Willst Du mir damit zeigen, dass wir irgendwo etwas trinken gehen sollen?)/(Du willst mir zeigen, dass wir etwas trinken gehen sollen). Was soll ich machen? – Kommst Du raus? – Soll ich bei Dir läuten? – Du schminkst Dich. Du gehst aus. – Ich schminke mich auch. Ich gehe jetzt auch raus. – Soll ich bei Dir läuten oder kommst Du runter? – Komm runter! Ich warte unten auf Dich. Bis gleich!

22.35 Uhr
Für den Blog ist das jetzt natürlich viel besser. Weil, was hätte ich denn schreiben sollen, wenn wir uns getroffen hätten und wir hätten uns gut verstanden und uns verabredet für ein andermal … gar nichts mehr hätte ich geschrieben, für mich behalten hätte ich es.
Aber so wie es jetzt war – huh! – jetzt habe ich wieder zu grübeln und zu zweifeln und mir Vorwürfe zu machen, dass ich nicht geläutet habe an einer der Klingeln, die jetzt gleiche Namensschilder haben – kein Unterschied mehr erkennbar zwischen Wohnung und Apartment. Das hat mich letztlich abgehalten. Hätte da nämlich immer noch Xxxxxxxxx Xxxx gestanden beim Apartment, dann hätte ich da geläutet. Aber so stand bei bei beiden Klingeln Xxxx (klein) Yxxxxxxx (groß). Und ich bin froh, dass ich nicht geläutet habe. Weil ich nämlich in so etwas wie eine Falle gegangen wäre. Weil ich wieder auf jemand getroffen wäre, der überhaupt nicht weiß, wovon ich rede und was ich will. Vielleicht wäre da die Frau gestanden, die schließlich aus dem Haus gekommen ist, telefonierend und mich so verächtlich angeguckt hat oder böse, auf jeden Fall nicht sehr freundlich. – Du warst das jedenfalls nicht Oder doch? – Wenn, dann bist Du geisteskrank, weil Du einfach weiter gegangen bist telefonierend.
Ich muss das jetzt sortieren. – Es riecht nach einer von diesen grandiosen Verwirrungsaktionen von Dr. Seltsam Yxxxxxxx.
Und wenn ich mir 100 Pro sicher wäre, dann würde ich morgen in meinem Blog das haarklein beschreiben, wie sich das verändert hat mit den Namensschildern an der Klingel. Dass da jetzt auf beiden Xxxx Yxxxxxxx (sic!) steht.
Was aber ist dann Deine Rolle dabei? – Denn ich habe Dich ja gesehen im Contessa-Zimmer. Heute Morgen. Heute Abend. Du hast mit dem Licht rumgemacht. – Und dann war Yxxxxxxx im Wohnzimmer gestanden, als ich an meine Balkontür trat und er hat zu mir rübergeschaut, was auch für eine Iszenierung spricht – und dafür, dass ich ins Leere laufen sollte und dumm da stehen sollte, wenn ich läute und man mir die Tür öffnet und ich hochkomme.

Wenn das so war, dann ist es nicht anders zu erklären, als dass du da mitgespielt hast.
Ich weiß es nicht im Moment. Ich sortiere nur meine Eindrücke. Und Gedanken. Jetzt leider wieder alles nur Gedanken.
Wenn Du da mitgemacht hast – wenn das eine Inszenierung war, dann hast du in den letzten Tagen und Wochen ein falsches Spiel gespielt. – Warum solltest Du das getan haben? – Um mich bei Laune zu halten. – Um mich abzubringen davon, dass ich weiter über Yxxxxxxx schreibe. Das ist schon lange ein Verdacht von mir gewesen, dass es so sein könnte. Ich habe meine Eindrücke auch immer überprüft darauf hin. Und habe immer Anhaltspunkte zu finden geglaubt, dass es nicht so ist.
Das noch festzuhalten: Die Frau, die aus dem Haus kam, war definitiv kleiner als Du – oder als ich Dich in Erinnerung habe.
Die Frau, ich nehme mal an, dass Du das nicht warst, wäre mir wahrscheinlich als Bewohnerin des Apartments oder als Mitbewohnerin oder Freundin sogar des Yxxxxxxx präsentiert worden, wenn ich hochgekommen wäre – sie wäre mir als Beweis präsentiert worden, dass ich mir irgendetwas einbilde, was nicht existiert. – Darauf hat die Inszenierung gezielt. Mich irre zu machen an mir selbst.
Wie gut, dass ich nicht geläutet habe. - Zurückhaltung ist schon was Gutes.
Was mich bei der ganzen Sache jetzt aber wirklich traurig macht – nein, das ist das falsche Wort -, was mich bedrückt, das ist deine Rolle dabei.
Festzuhalten ist noch: Dass die junge Frau, die aus dem Haus kam, solche hautengen Jeans trug, wie Du auch mal welche getragen hast. – Die junge Frau hatte lange brünette Haare. – Sie hat eine Sprache gesprochen, die ich nicht verstanden habe. Englisch war das nicht oder ein Englisch mit einem starken Akzent.
Wenn ich etwas missverstanden habe. Wenn es keine Inszenierung war und Du also auch kein Teil davon. Wenn Du willst, dass ich das nicht glaube, dass es so war, dann bist Du jetzt an der Reihe: Dann finde einen Weg, mir das zu zeigen.
Bis dahin Schweigen von meiner Seite. – Im Moment habe ich sogar gute Lust, mein Bluetooth hier auszuschalten. Mache es aber nicht, weil … .
Wenn es die Absicht war, mich davon abzubringen, mich weiter mit der Person des Yxxxxxxx zu beschäftigen, dann wurde das Gegenteil erreicht. Das werde ich jetzt nämlich mit neuer Energie tun. – Auf jeden Fall werde ich so weiter schreiben über ihn, wie ich es vorhatte. Auch weiter unter dem Titel Rivale. Obwohl er das nicht mehr ist, wenn Du mitgespielt hast bei der Inszenierung.
Wenn Du mitgespielt hast bei der Inszenierung: Warum konntest Du dann keinen anderen Weg finden, mir klar zu machen, dass Du nicht an mir interessiert bist? – Einfach nur sagen: Nein, ich bin nicht interessiert. Es ist ein Missverständnis von mir. Ich bilde mir das alles nur ein. Dann hätten wir gelacht und ich wäre hinterher traurig gewesen und gut. – Aber so – ja was jetzt? - setzt sich die Verwirrung fort. Denn ich werde natürlich nicht aufhören damit, herausfinden zu wollen, was ihr für seltsame Leute seid – und was da heute passiert ist.
Allerdings, wenn Du ein Teil der Inszenierung warst, dann hast Du das erreicht, was Du auch einfacher hättest haben können: Interessiert an Dir bin ich nun nicht mehr. – Auf jeden Fall nicht mehr an Dir als Mensch. – Wenn es so ist, dass Du ein Teil der Inszenierung warst, dann interessierst Du mich nur mehr als Fall.
Ende der Notizen. Ich werde sie brauchen, wenn ich darüber schreibe. Das kann eine Weile dauern. Denn erst mal muss ich Abstand gewinnen und das alles sortieren. – Auch sortieren, was ich zuletzt von Dir gesehen habe – und wie Du Dich verhalten hast in letzter Zeit.
Anmerkung 13-10-10
Muster des Yxxxxxxx mir gegenüber: Er will "mich für dumm verkaufen“. Anfänge: seine schwer zu beschreibenden Aktionen im Frühjahr, als er sich positionierte, damit ich hinter ihm herlaufe, um "mich an der Nase herumzuführen", ohne dass ihm aufgegangen ist, dass ich nur hinter ihm hergelaufen bin, um zu beobachten, was er macht. – Die zu meiner Verwirrung gedachte Aktion mit Xxxxxxxxx Xxxx im Sommer. – Die Aktion gestern, die noch nicht zu bewerten ist. – Er hält sich für schlau und überlegen und ist dabei so tollpatschig. – Er kriegt nicht mit, dass man es merkt, was er treibt. – Richtig gesehen, ist das eigentlich sehr komisch. – Am Ende ist er doch eine Komödienfigur? Man muss ihn nur richtig zu nehmen wissen? 

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Für Dich, Contessa 42
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Sunday, April 4, 2010 at 8:38pm | Edit Note | Delete
Noch von gestern Abend:
Mich leer schreiben. Um neu anzufangen. Oder aufzuhören. Oder eine Pause zu machen und dann neu anzufangen.
Drei Eindrücke:
...
Heute: Wozu die Eindrücke? – Um mich rüber zu schreiben in eine andere Art von Text? – Im Moment keine Lust dazu. Deshalb nur kurz:
Dienstag, 15. September 2009. Dein Geschrei (höhnisch: "Yeah, I had my fun!"), Türschlagen. Gleich darauf sehe ich den Nachbar im Wohnzimmer mit einer feixenden Frau, der er mit langem Arm über den Tisch hinweg Wein einschenkt. Die tückische Putze, die Dich da zum ersten Mal verraten hat? - Pointe: Jetzt erst, da es zwischen Euch kracht, kapiere ich, dass ihr ein Paar seid/wart. Und jetzt erst rastet es bei mir ein, dass Du womöglich die Frau bist, mit der der Nachbar an einem Jahre zurück liegenden Samstagmorgen auf dem Dach gesessen hat. - Gerissenheit meiner Verblendung. Bei "Huschbewegung mit Blumentopf an einem Hochsommerabend" hätte ich es eigentlich schon ahnen können.
Abend der schönen Büglerin. Streitszene im Contessa-Zimmer. Der Nachbar schleppt ein Fernsehgerät an. Will Dir offenbar Deinen Fernseher hinterher tragen. In polemischer Absicht? Was will er Dir damit sagen? Oder will er mir damit etwas sagen? – Implantat einer Vorstellung. Dass Du eine Fernsehmaus bist. Prompt denke ich vorletzten Samstag, sie ist deshalb nicht raus gekommen, weil sie Wetten, dass .. ? oder DSDS anguckt. Wahrscheinlich DSDS. Na und? (*)
Komische Serialität: Ein anderer Samstagabend. Ich klappe mein Laptop zu und gehe ins hintere Zimmer, um mein Telefon zu holen. Abrupter Entschluss, Dich jetzt anzurufen. Da sehe ich den Nachbar in Eurem Wohnzimmer stehen. Berserkerhaft aufgerichtet. Zu mir rüber blickend zeigt er mir: Ich bin da. Untersteh Dich! – Rätsel: Woher wusste der Nachbar, dass ich Dich anrufen wollte?
Nach dem Aufwachen heute an die Note an Dich von gestern Abend gedacht, den wurmartig sich windenden, verquälten Text. Impuls, ihn später zu löschen. – Was für ein Quatsch! – Mein Gefühl von gestern Abend löschen? – Weil ich mich schäme dafür? Vor Dir? Vor mir? – Kann doch nicht sein.
Sich selbst lieben sollen, damit man andere lieben kann? – Sex mit sich selbst. Das geht und ist allemal besser als die verbreitete Heuchelei zugibt. Aber sich selbst lieben? Ich meine, lieben – geben ist beglückender als nehmen ... . - Unfug. Verirrung in einer Metapher. – Seine Gefühle zulassen, sie aushalten, annehmen, mit ihnen umgehen und sie zu einer Quelle seiner selbst machen, damit ist schon viel und das Beste getan. – Konstruktionsfehler des narzisstischen Charakters: Der schöpft nicht aus der Quelle, der betrachtet sich darin. Aber der liebt sich auch nicht selbst. Der hat eine Affäre mit dem Idealbild von sich. Eine Affäre mit seinem Über-Ich? – Mein Psychologisieren: So wie andere Leute Briefmarken sammeln oder Schmetterlinge oder Käfer.
Nebenwirkung davon, dass unsere Gemeinsamkeit aufgehört hat: Ich lese seit langer Zeit mal wieder ein Buch. Susan Sontag, Reborn. Early Diaries 1947-63. Habe Dir was raus geschrieben, das ich auch gleich noch poste, für Jenni:
12/31/57
“ … in Harriet´s journal about me – that curt, unfair, uncharitable assessment of me which concludes by her saying that she really doesn´t like me but my passion for her is acceptable and opportune. God knows it hurts, and I feel indignant and humiliated. We rarely do know what people think of us (or, rather, think they think of us) … Do I feel guilty about reading what was not intended for my eyes? No. One of the main (social) functions of a journal or diary is precisely to be read furtively by other people, the people (like parents + lovers) about whom one has been cruelly honest only in the journal. Will Harriet ever read this?”
1/12/58
“ … Harriet is beautiful, relaxed, affectionate. I – dizzy with passion and need for her, and happy … good god, I am happy! I suppose, with my sore heart + unused body it doesn´t take much to make me happy. Yet that´s not all, and I do both her and myself an injustice to say that. It´s she, it´s she, it´s she.”
Das noch von heute Morgen:
Einem schönen Tier beim Sterben zuschauen. Wer will das?
Prompte Antwort, Erinnerung an die Standardlakonie einer Freundin der Nacht (barfly):
„Och, wenn´s gut gemacht ist.“
(*) Für Dich, Contessa, würde ich sogar wieder fernsehen.
Facebook verliert allmählich die Geduld mit meinen einsamen Notes Only me. Sie bieten mir massiv an, mir Freunde zu verschaffen. Sie wissen nichts von Dir und den Mitlesern. Deshalb stelle ich das als Friedensangebot an Facebook auf Only Friends ein.
(19-10-10: Die feixende Frau, der "mit langem Arm" Wein eingeschenkt wurde, kann nach den Erkenntnissen des Sommers nur die Ex-oder-Noch-Frau des Professors gewesen sein, der ich den fiktiven Namen Andrea Mulder gegeben habe und deren wirklicher Name im Text An Tess 3 mit Xxxxxxxxx Xxxx wiedergegeben wird.) 

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Für Dich, Contessa 6
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Friday, February 26, 2010 at 10:24pm | Edit Note | Delete
Wollte gerade anfangen, Dir lang und breit zu erzählen, wie das ist, wenn ich Dir schreibe, und wie dann so ein Drama wie gestern zustande kommt und dieser Schlusssatz: "Und wenn es das war, Lebewohl!" - Den Satz habe ich gerade aus dem Text von gestern gelöscht, weil er ein Blödsinn ist. Wir hatten das neulich schon mal: Ich will anscheinend leiden zur Zeit.
Mehr habe ich gerade nicht zu sagen, als dass ich diesen Schlusssatz gestrichen habe. Was natürlich nicht angeht bei der Festbeleuchtung, die Du heute eingeschaltet hast. - Ich darf nicht immer alles auf mich beziehen. Oder soll ich es in dem Fall doch tun?
Was erzählen von mir? Von meiner Abhängigkeit von der "Mimik" der Wohnung gegenüber kommen auf die Wohnung gegenüber, wie ich sie wahrgenommen habe, bevor ich Dich dort gesehen habe? Ist sie es, ist sie es nicht? Gibt es das? Ist s i e das?! - Im Juni oder Anfang Juli letzten Jahres muss das gewesen sein. - Und wie mir dann irgendwann klar wurde, dass ich Dich zuvor da schon gesehen haben muss. Am Rande wahrgenommen, wie ich die ganze Wohnung nur am Rande wahrnahm. Ich bin zwar ein Voyeur, meine, ein neugieriger leidenschaftlicher Zuschauer, aber niemand, der in andere Wohnungen gafft - aus dem einfachen einleuchtenden Grund, weil es dort nichts Interessantes zu sehen gibt. Aber das hat sich ja nun geändert, wenn es um die gegenüberliegende Dachwohnung geht. Also soll ich Dir davon erzählen oder soll ich Dich in einen Dialog locken? - Nicht so ungeschickt wie neulich. Sondern zum Beispiel, indem ich Mutmaßungen über Dich anstelle und Dich provoziere zu widersprechen?
Wie schön, wenn Du jetzt antworten würdest: Nee, das mit der Wohnung, das hebe Dir mal für später auf, was Du da gesehen hast. Mach mal lieber los mit Deinen Mutmaßungen. Oder so. - Langweiliger Exkurs: Wenn ich nur wüsste, ob Du reinschreiben kannst. Würde zu gerne mal meinen bestimmt kompetenten Etagennachbarn fragen, wie er darüber denkt. Betreiber von lucanette. Der kennt sich vielleicht aus damit. Ende des langweiligen Diskurses: Wenn Du willst, wenn Du den Zeitpunkt für gekommen hältst, tust Du es. Oder, weil es nicht geht, legst Du Dir ein Alias zu (Avatar sozusagen), mit dem Du über Facebook friend von mir wirst, und dann können wir sogar chatten. Gibt genug solche Alias-Personen bei Facebook. Annette Hilf. Julia Denk. Und als Foto R2D2 oder Bambi. Nur, Dein Geburtsdatum, da wäre mein Wunsch, dass Du Dein tatsächliches nimmst. Nicht wegen Astrologie (leider gebe ich da was drauf, halte mich aber nicht daran, alleine schon deshalb, weil es mir peinlich vor mir selbst ist, etwas darauf zu geben), sondern weil ich da eine Mutmaßung habe, von der ich zu gerne wüsste, ob sie zutrifft.. - Mutmaßung: Du hast Geburtstag am 20. August. - Stimmt? - Sag mir ja oder nein. Und ich sage Dir, wie ich darauf komme. - Lasse den Cursor blinken für Dich.
Hier: Also gut. Nicht. ... - Dann vielleicht die Alias-Variante. Oder noch besser: Du weißt schon. - Mensch, seit einem Jahr sehen wir uns und haben uns immer noch nicht miteinander bekannt gemacht. Oder eben auf eine andere Art. Die ist für Dich sehr ergiebig, Glückskind, was weißt Du nicht alles von mir inzwischen. Ich meine nicht an öden Fakten, sondern wie ich bin. Während ich von Dir nur diesen Schemen habe. Gestalt im Schatten. Einerseits schon Eindrücke habe von Deiner Person. Aber "weiß" rein gar nichts.
Eindrücke. Eindrücke von Dir, "bevor ich Dich gekannt habe"? - Eindrücke von Dir aus der Wohnung gegenüber "vor unserer Zeit"? - Es sind im Grunde genommen nur drei. - Weiß jetzt wirklich nicht, ob ich damit anfangen soll. Würde lieber auf eine andere Art Gemeinsamkeit herstellen als mit Erzählen von Dir. - Aber da Du keine Einwände erhebst und ich vielleicht doch die Kurve kriege zu einer anderen Art von Gemeinsamkeit, mache ich mal los. Obwohl es schon auch heikel ist und mir nicht klar, ob ich da etwas berühre, von dem ich mich besser fernhalten sollte. (Mache kurz eine Pause und überlege es mir.) Ich berühre es nicht. Vielleicht ein anderes Mal, wenn es mir nicht heikel erscheint.
Ich benenne nur mal die drei Eindrücke - um Dich damit in den Dialog zu locken. Erster Eindruck: Ach, der Nachbar hat eine Frau gefunden. Wie schön! - Zweiter Eindruck: Der Nachbar sitzt mit seiner neuen Frau am Samstagmorgen auf dem Dach (was er gerne tut) und als ich auf meinen kleinen Balkon trete (Loggia), blicken die beiden zu mir rüber und er redet offenbar über mich. Hoffe, es ist etwas Freundliches. Ich ahne, was er ihr erzählt. Ich empfinde es nicht als unfreundlich. - Dritter Eindruck, jetzt doch ausführlicher: Mir ist vorher schon aufgefallen, dass der Nachbar am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich (stimmt´s?). Wie komme ich darauf? - Ein Gladiolenstrauß im Fenster (auf den Fotos von meinen Kindergeburtstagen immer ein Strauß Gladiolen aus dem Garten meiner Großmutter; keine so tollen Blumen, Sommer wird Spätsommer, aber eben Geburtstagsblumen). Gladiolenstrauß im Fenster und abends dieses, ich nenne es mal, Partylicht, und dann das Zimmer voller Gäste. Geburtstagsparty. - Und wieso kriege ich das mit, obwohl ich angeblich nicht in andere Wohnungen gucke? Weil - siehe vorgestern, glaube ich - mein Router in dem Zimmer gegenüber vom gegenüberliegenden Wohnzimmer steht und der Port mit Ab für mein schnurloses Telefon. Wenn ich mich am einen oder am anderen zu schaffen mache, müßte ich krampfhaft die Augen niederschlagen, um nicht auf die andere Seite zu blicken. - Zwei, drei Jahre vergehen. Wenn ich an meinem Geburtstag meinen Router einschalte, weiß ich schon, da ist wieder der Geburtstags-Gladiolenstrauß. Ich hab keinen, aber da drüben ist ja einer. Witzig irgendwie. Schön irgendwie.
Wenn ich jetzt Dein Gesicht sehen könnte, wüsste ich, ob ich weiter erzählen soll. Davon. wie das war, als der Nachbar zum ersten Mal Geburtstag mit der neuen Frau gefeiert hat. Da habe ich es nicht beim Eindruck im Vorübergehen belassen. Da habe ich gegafft. Weil, was ich gesehen habe, hat mich beeindruckt und danach noch beschäftigt. - Warst Du die Frau? - Das musst Du beantworten. - Was habe ich gesehen (nichts Sensationelles)? Weshalb hat es mich beschäftigt? - Das erzähle ich Dir, wenn Du mir sagst, dass ich es Dir erzählen soll. HA! - Ich krieg Dich noch in den Dialog.
Ein anderer Eindruck von dem Haus gegenüber: Wie das Paar in der Wohnung unter euch wohl gerade sein erstes Kind hatte, und deshalb an Silvester alleine war (mit Kind, aber keine Gäste). Ich stand auf meiner sogenannten Loggia um 12 Uhr, um dem Feuerwerk zuzusehen, und habe beobachtet, wie die beiden sich um 12 geküsst haben, und dann haben sie getanzt miteinander, so formvollendet, auf die Gesellschaftstanzart. Seither habe ich große Sympathie für die beiden, ohne sonst irgendwas von ihnen zu wissen, und sähe ich sie auf der Straße, würde ich sie nicht erkennen.
Wenn Du mitlesen solltest, während ich schreibe, wundere Dich nicht über meine Korrekturen. Ich lerne gerade von alter auf neue Rechtschreibung um. "Schlusssatz" - drei "s", manchmal tut es schon weh.
Kein Drama, keine Gefühlsausbrüche heute. Mir hat es gefallen. Erholsam nach den letzten Abenden. Trotzdem, es fehlt noch was. - DU fehlst. Deine Worte. Dein Ton. Deine Art. - Du siehst, ich kann nicht genug kriegen. Soviel von dem ersehnten Licht heute. Und dann gerade mal was von "Festbeleuchtung" gemurmelt und schon will er auch noch Worte, Ton, Art, am liebsten alles von Dir. Ja, so bin ich.
Gute Nacht, Contessa. Vielleicht morgen oder übermorgen oder ... bald.

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Für Dich, Contessa 5
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Thursday, February 25, 2010 at 9:29pm | Edit Note | Delete
Blöde Verabrederei. Dann eben nicht. Dann eben, wenn Du willst oder wenn es sich ergibt oder nie. Letzter Absatz von gestern könnte auch der Anfang von heute sein. Dann schreibe ich Dir eben weiter. Zu Dir, für Dich fällt mir immer was ein. Solange Dein Licht an ist.
Hatte Dich am letzten Wochenende so gelesen, dass das nächste, was wir kommunizieren sollten, eine Verabredung ist. Dann hast Du gestern abend mit dem Rücken zum Fenster vor Deinem Laptop gesessen, Bildschirm in meine Richtung. Verstehe, sie will keine Verabredung, sie will, dass ich ihr weiter schreibe. - Oder will sie vielleicht sogar den Dialog eröffnen? Reinschreiben? - Aber Du hast es nicht getan, als ich am Schluss den Cursor blinken, blinken, blinken ließ. War dann zu müde, das Laptop noch mal zu starten. Habe das Rätsel der Contessa mit ins Bett genommen und bin sofort tief eingeschlafen.
Heute. Wenn ich Dich falsch gelesen habe am Wochenende, dann war meine Aufregung am Montag und mein scheußliches Gefühl am Dienstag unbegründet. Oder doch nicht ganz? Das Licht war aus. - Egal. Es war es allemal wert, das scheußliche Gefühl zu haben und Dir davon zu schreiben. Weil es sich gezeigt hat, dass Du der Mensch bist, der sein Dachlukenlicht einschaltet und am nächsten Tag das Licht im Contessa-Zimmer, nachdem ich Dir gestanden habe, mich klein, viel zu klein zu fühlen für unsere Geschichte.
Jetzt ist das Licht wieder aus. Unvermittelt, wie das jetzt: Ich wäre bereit, den Rest meines Lebens mit dem vergeblichen Versuch zu verbringen, Dich zu verstehen. Aber ich bin nicht der Typ, der sich einen Kugelschreiber ins Auge rammt.
Schlaf gut, mein Mensch.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Rascheln 2

Um diesen Zusammenhang ist es mir offenbar gegangen, als ich der Tess im Zeitraum von April-Juni von der Begebenheit mit dem Voyeurismus des Professors erzählt habe: Der Zusammenhang, der begann mit dem Rascheln und meinem mich Umdrehen, dem Erblicken des zu mir her starrenden Nachbarn, und der sich später fortsetzte mit seinem Reden über mich zu der Frau, mit der er auf dem Dach saß – dem Zusammenhang dessen mit allem anderen, was viel später geschah zwischen mir und der Tess und leider auch ihm. Mit ihm, der von Anfang an dabei war in diesem Geschehen und mit dem es sogar angefangen hatte - wenn ich meine Geschichte mit der Tess betrachte von diesem Moment her, da der Nachbar von gegenüber, der Professor, ihr Freund oder Lebensgefährte, mich beobachtet hat und ich sein Beobachten bemerkte. Das nur als weiteres Bemerken. Nicht als Unterstellung oder Behauptung der Art: Damit fing alles an. Nicht in der Meinung, dass es von da aus einen Anstoß gegegeben hätte, der alles Folgende ausgelöst hat. Wenn das so gewesen sein sollte, dann weiß ich nichts davon, kann ich nichts davon wissen und dann ist es mir so unverständlich wie das Starren des Nachbars und sein späteres Erzählen davon, es erzählen einer Frau, mit der er auf dem Dach gesessen hat, mutmaßlich nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht, auf jeden Fall zu Beginn der Verbindung, die er mit dieser Frau eingegangen ist. Also kein unterstellter ursächlicher Zusammenhang. Zusammenhang nur in dem Sinn, dass die Konstellation eines späteren Geschehens (ích -Tess-Professor) hier zum ersten Mal aufgetreten ist. Als Ko-Präsenz, nicht mehr. – Und das wiederum von mir erinnert, bemerkt und der Tess erzählt in der Phase von April – Juni. So dass dieses Erinnern und Bemerken und Erzählen von mir es ist, was den Zusammenhang hergestellt hat, und es sein kann, dass es neben diesem Erinnern, Bemerken und Erzählen von mir keinen anderen Grund gibt, diesen Zusammenhang herzustellen. – Was ich jetzt so pedantisch darstelle aus einem Bemühen um intellektuelle Redlichkeit. Was ich jedoch, als ich der Tess davon erzählt habe, nicht so gesehen habe. Da wollte ich etwas unterstellen. Da meinte ich, intuitiv etwas erfasst zu haben, das wohl – würde ich doch die verdammte Textstelle finden! – auf die Feststellung hinaus lief, dass es von Anfang an um Sex gegangen ist in dem Zusammenhang der Konstellation von ich-Tess-Professor. Was nun nicht viel zu sagen hat: es ist von Anfang an um Sex gegangen. Und möglicherweise als Intuition auch weniger ein Erfassen eines Sachverhalts gewesen ist, als Ausdruck eines Bedürfnisses über Sex zu sprechen. Sex, der vorher im Schreiben an die Tess, das im November des Vorjahres begonnen hatte (siehe Brief 1, 2, 3) explizit kein Thema war. Weil ich sie dazu gar nicht gut genug kannte, weshalb es alleine schon aus Zurückhaltung kein Thema sein konnte. Und weil sexuelles Begehren zwar naturgemäß der Auslöser meines Interesses an der Tess war, aber bald überlagert wurde von dem Wunsch, sie überhaupt kennenzulernen, mit dieser rätselhaften und mich bezaubernden Person bekannt zu werden. So dass ich sagen kann, so merkwürdig mir dieser Satz selbst vorkommt: dass ich nie zuvor eine Frau so sehr als Person begehrt habe wie die Tess. So sehr als Person begehrt habe, dass das sexuelle Begehren, obwohl unverändert da, in den Hintergrund getreten ist. Das änderte sich in den Monaten April-Juni. Sicher auch wegen Frühling und Frühsommer. Vor allem aber änderte es sich wegen meiner Eifersucht – und ausbrechenden Rivalität mit dem Professor, als ich durch meine Beobachtungen im Umgang mit der Tess darauf aufmerksam wurde, wie sie sich dem Professor entzogen hat, indem sie in dem kleinen Apartment (Contessa-Zimmer) übernachtete und dann sich wieder mit ihm versöhnte, erkennbar daran, dass sie nicht mehr in dem kleinen Apartment übernachtete, sondern im hinteren Teil der Wohnung, mutmaßlich in seinem Bett. Was wiederum von der bis dahin abstrakten Vorstellung, dass die beiden Sex miteinander haben, zu einer lebhaften Vorstellung des Sex der beiden führte. Somit war der Sex der beiden, von dem ich mir vorher keine konkreten Vorstellungen gemacht hatte, zu einer mich quälenden, mich eifersüchtig machenden Vorstellung geworden. Und damit zu einem Thema, über das ich nun auch geschrieben habe an die Tess. Zum Beispiel, indem ich ihr erzählte von der Voyeurszene mit dem Professor. Wenn ich die verdammte Textstelle nur finden könnte!

Samstag, 16. Oktober 2010

Rascheln

VARIANTE zu Reden:  Weiß es ganz genau, dass ich einen Text geschrieben habe, in dem es u.a. darum geht, dass ich hinter mir ein Rascheln in den Blättern der Kletterpflanze am Geländer der Loggia höre und mich umdrehe und durch eine Lücke im Bewuchs den Nachbarn aus der Dachwohnung gegenüber bemerke, der zu mir her starrt und ein Gesicht macht, als hätte er gerade einem Außerirdischen zugesehen bei einer Aktivität. deren Zeuge er lieber nicht gewesen wäre. Aber warum hat er dann hergeguckt? - Und warum finde ich den verdammten Text nicht? Gleich, was ich in die Suchfunktion von Word eingebe: masturbieren, Kletterpflanze, Rascheln, Loggia, Gesicht, her starrt ... – kein einziger Treffer: Der Suchvorgang innerhalb des Dokuments ist abgeschlossen. Das gesuchte Element konnte nicht gefunden werden. – So bleibt mir nur, die Texte selbst zu durchsuchen, die ich an die Tess geschrieben habe im Zeitraum von? – April bis Juni. In dem Zeitraum muss es gewesen, dass ich ihr mal erzählt habe von der Begebenheit. Doch das schaffe ich nicht, das alles durchzulesen. (VARIANTE ab hier;) Vorher nicht, nachher nicht. In diem Zeitraum habe ich ihr mal erzählt von der Begebenheit mit dem Nachbarn, den ich später, Monate später oder ein Jahr später mit ihr, wahrscheinlich mit ihr, mit ihr als seiner neuen Freundin dann wieder sah, auf dem Dach sitzen an einem Samstagmorgen, als ich auf der Loggia stand und er wieder herblickte und ihr ganz offensichtlich etwas erzählte über mich – was kann es schon gewesen sein anderes, als dass er mir beim Sex mit mir selbst  zugeschaut hat durch die offenstehende Balkontür? Aber was kann er ihr da erzählt haben? Was war sein Punkt, an dem er seine Erzählung festgemacht hat? Was hat ihn bewegt dabei? Was ist ihm aufgefallen, das des Erzählens wert war? Denn bewegt muss ihn schon etwas haben, so bedeutend tuend wie er geredet hat, währende er ihr erzählte von mir: Stell Dir vor! – Und sie hat dann auch ganz erstaunt zu mir hergeschaut, wie ich da auf meiner Loggia stand: Er da drüben?! Nein?! – Doch! Doch! – Ja, was? Ich komme nicht drauf. Ich kann es mir nicht vorstellen, was es da groß zu erzählen gegeben hat. - Wenn ich nur die verdammte Textstelle fände, in der ich wiederum der Tess das erzählt habe. Vom Nachmittag mit dem Voyeurismus-Zwischenfall, der mich amüsiert hat, und von der Dachszene an dem Samstagvormittag, an dem ich sie, wenn sie es war, zum ersten Mal gesehen habe, in einer Situation, die für mich peinlich hätte sein sollen, angesichts der Miene, die der Nachbar gemacht hat, während er über mich sprach, die es aber nicht war, sondern verwunderlich und seltsam war die Situation. Vorgeplänkel all des Seltsamen und Wunderlichen, was ich einmal mit ihr (und dann leider auch mit ihm) noch erleben würde. - Der Tess das geschildert habe, warum? Das würde ich gerne wissen, warum ich ihr das geschildert habe. Wollte ich ihr damit etwas über den Professor erzählen? Oder über mich? Oder über uns? Oder wollte ich einfach nur diesen Zusammenhang zeigen. Beginnend mit meinem Beobachtetsein in einem Moment, der u.a. auch beschrieben werden kann als ein Moment von Einsamkeit. Beobachtet von einem Mann, der bald darauf ihr Freund oder Lebensgefährte werden sollte und ihr dann erzählt davon, wie er mich in einem Moment beobachtet, der u.a. auch beschrieben werden kann als ein Moment von Einsamkeit. Und Jahre später begegnen wir uns dann, die Tess und ich. Ich immer noch einsam, sie immer noch mit dem Mann auf dem Dach zusammen. Aber es ist einer der vielen Gründe, weshalb wir beide nicht zusammenkommen und ich einsam bleibe. Nur, dass es jetzt sie gibt in dieser Einsamkeit, unerreichbar und trotzdem immer da – in immer gleicher Distanz. - Das also unsere Geschichte, gesehen von dem Moment aus, als ich das Rascheln der Kletterpflanze am Geländer der Loggia hinter mir hörte und den Professor gegenüber sah, der damals wahrscheinlich noch keiner war und vielleicht da die Tess selbst noch gar nicht gekannt hat.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Facebook 2

Facebook sammelt möglichst viele Daten über seine Nutzer, um diese Daten zu verknüpfen mit den Interessen kommerzieller Partner, denn von irgendwas müssen Mark Zuckerberg und seine Mitarbeiter ja leben. Ich schaue mir auf der Facebook-Seite des Professors seine Facebook-Friends an, um mir einen weiteren Eindruck von ihm zu verschaffen. Und was bringt mir das? Sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist. - Im Fall der Tess und des Professors interpretiere ich das so: Das ist also der Mann, mit dem sie sich ins Unglück gesetzt hat. Wer ist sie, wenn ihr das und das gefallen hat, was ihr an dem Mann gefallen haben könnte, dergestalt, dass sie darauf reingefallen ist? Und welche anderen Eigenschaften von ihm könnten es sein, die sie so unglücklich machen, dass sie schon längst bei mir wäre, wenn ich nicht ein bekennender Habenichts wäre. – Viel ist es nicht, was ich an Erkenntnissen auf der Facebook-Seite des Professors gewinnen konnte. Auch die Google-Recherche hat nicht viel gebracht. Und über das Wenige will ich hier schweigen, um seine Anonymität zu wahren. Deshalb nur: Er ist als Lehrender wohl ganz erfolgreich, hat sogar mal einen Preis bekommen für seine Leistungen als Lehrperson. Doch wie meine Recherchen gestern ergaben, ist es leider nicht so, dass er inzwischen einen Ruf in eine andere Stadt, auf einen besseren Lehrstuhl bekommen hat und deshalb mehrere Tage in der Woche weg ist. Was ich ihm gewünscht hätte und mir und der Tess auch. Doch meine Vermutung aufgrund von Beobachtungen in der letzten Woche wurde nicht bestätigt bei der Googl-Recherche. Er war wohl nur bei einem Kongress in einer anderen europäischen Hauptstadt. Es ist mir auch nicht gelungen, über Google Publikationen von ihm ausfindig zu machen. Was sicher nicht bedeutet, dass es keine gibt. Entweder war mein  Vorgehen beim Recherchieren zu stumpf oder die Verlage, bei denen er publiziert, glauben nicht an das Internet. So muss ich mich im wesentlichen stützen auf meine Beobachtungen im wirklichen Leben. Siehe dazu Rivale 2. Immer noch nicht durchgesehen und korrigiert und auch durch noch so viel Überarbeiten nicht besser hinzukriegen. Ich habe den Text trotzdem veröffentlicht, weil ich ihn aus dramaturgischen Gründen brauche – als Anlauf für Rivale 3 und 4. Da will ich mich bemühen, die Kleinlichkeit meines Beobachtens zu überwinden und dem Professor mehr gerecht zu werden. Das heißt nicht unbedingt, fairer zu sein ihm gegenüber. Aber ihn auch nicht als den Arsch hinzustellen, als den ich ihn sehen will, der er aber gar nicht sein kann, weil sonst wäre die Tess nicht immer noch mit ihm zusammen. Am Sonntag habe ich erst mal nur einen Platzhalter für Rivale 2 eingerichtet mit dem Hinweis: Die Fans der Professors mögen sich bitte noch gedulden. Der Text kommt morgen. – Die Fans des Professors. Das war nicht boshaft gemeint. Denn da will ich hin. Ganz im Ernst. Ihm so gerecht zu werden, ihn hier so auftreten zu lassen, dass er Fans bekommt, die die Geschichte hier lesen seinetwegen, so wie bislang die meisten meiner Leser sie gelesen haben wegen der Tess.

Montag, 11. Oktober 2010

An Tess 2

10-10-10
Das Datum ist zu viel. Zu gut! Heute hätte man irgend etwas Bedeutendes mit Datum machen müssen. Ich Dich heiraten zum Beispiel. – Ob daraus noch was wird in diesem Leben? – Schwierige, sehr schwierige Phase. – Was ist denn da passiert gestern? Und wie komme ich da wieder raus? Am besten mit Dir zusammen, lebend. – Noch keine Ahnung, wie. – Du bist eben auch ein – v*********, wollte ich schreiben, lasse es aber offiziell weg – Du bist aber auch ein Feigling! Oder ist der Druck so schlimm, der auf Dich ausgeübt wird? – Jedenfalls, ich glaube nicht, dass das gestern passiert wäre, wenn Du Dich nicht so abrupt zurückgezogen hättest ab Freitagabend, um Deinen Pflichten nachzukommen beim Professor. – Du bist das Problem, nicht er. Deine Feigheit ist das Problem, nicht, dass er ein Langweiler ist. – Du hast ihn gewählt. Du bist feige!

Hey, jetzt bin ich aber überrascht über mich. Also war es doch nicht ein über eine falsch gestellte Weiche gefahrener Gedankenzug, sondern meine nur mühsam unterdrückte Wut über Deinen feigen Rückzug, die Alain Delon mit dem schönen Mördergesicht auf Deine Spur gebracht hat. – Du wirst es überleben. Es ist ja nur ein Traum. Ein Text. – Aber Dein Bild, Tess, Dein schönes Bild, Deine Kostbarkeit, das ist alles in großer Gefahr! Und Du hast Dich selbst in diese Gefahr gebracht. Du feige kleine Frau eines Langweilers! Bist Du das? Willst Du das sein?

Huh! Jetzt bin ich ganz atemlos. – Es musste raus. Es ist gesagt. Und es ist trotzdem nicht wieder gut. Denn jetzt muss ich Dich retten. – Natürlich werde ich Dich retten. – Heute wird es noch nicht gelingen. Und ich habe noch keine Ahnung, wie ich es anstellen werde. Aber ich werde es schon schaffen. Vertrau mir.

Es ist schwer. Habe ich mich mal wieder verpeilt. Aus Wut, unterdrückter Wut über Dich? – Oder werden wir was lernen können auf dem Weg, auf dem ich gerade schreibe. – Ich hasse es eigentlich, wenn ich mich festlege, was ich am folgenden Tag schreiben werde. – Morgen also der ominöse Gedankenzug. – Wobei ich eigentlich schon weiß, wohin er fährt. – Halte Dich weiterhin von den Zugtüren fern. – Und wenn es mir zu dumm wird, heißt, wenn ich feststelle, dass ich mich zu sehr verpeilt habe, dann werde ich im Post von morgen dokumentieren, was ich Dir vorhin geschrieben habe. Das passt dann perfekt zusammen mit dem Text von Rivale 2, der so etwas von langweilig ist, dass ich mich selbst gelangweilt habe, als ich ihn heute Vormittag fertig geschrieben habe. Das liegt aber nur zum Teil an dem Mann, dem Du verpflichtet bist. Es liegt auch an mir. Denn ich habe die Lust verloren an dem Thema. Das soll mich aber nicht abhalten, es zu Ende zu bringen. Es wird also noch Rivale 3 und Rivale 4 geben. Denn wie ich gemerkt habe, ist das auch eine Möglichkeit, unsere Geschichte zu erzählen – oder einen Teil unserer Geschichte. – Letzten Endes geht es also gar nicht um den Professor, sondern wie immer nur um Dich, Dich, Dich und mich, mich, mich. – Wie lange noch? – Ich bin wirklich mal gespannt, wie ich fühlen werde, wenn meine Wut vorbei ist. - Dauert ja bekanntlich maximal zwei Tage bei mir. Und da heute schon der zweite Tag ist … . – Mein Wunsch ist eigentlich, dass ich dann die Schnauze voll habe von Dir. Aber so wird es wahrscheinlich nicht kommen. – Wobei: Es geht ja gar nicht um Dich. Es geht immer nur um mein Bild von Dir. – Von Dir weiß ich ja gar nichts. Dich habe ich noch gar nicht kennengelernt. Deshalb musst Du Dir auch, wenn Dir etwas an mir gelegen sein sollte, überhaupt keine Sorgen machen. Wenn jemand aus dem Zug gestoßen wird, bist es nicht Du, sondern ist es das Bild von Dir, das ich mir gemacht habe. Und ist das zerstört, dann bleibt uns immer noch die Wirklichkeit.
Schlaf gut, Tess.

Der Post von heute ist einer der schlechtesten Texte, die ich je geschrieben habe. Aber das mit den Eisbären ist schön, findest Du nicht auch? 

An Tess 1

8-10-10
Tess! Du scheinst nicht da zu sein. Dabei gibt es soviel zu „besprechen“. – Was mache ich? – Warte darauf, bis ich ein Zeichen von Dir sehe?

Nur das: Das Arrangement am Fenster gestern über Tag war spektakulär und ich habe es nicht verstanden. Umso überraschender, als ich gestern Nacht nach Hause kam die Begrüßung durch Dein Licht und die offenen Vorhänge. Freude darüber. Auch heute Morgen Freude, als ich Dich huschen sah. Als das subtile Zeichen mal für kurze Zeit auf Alles gut stand. Das hat es lange nicht mehr gegeben. – Hast Du Dir gewünscht, dass ich Dir schreibe heute Morgen? – Ging nicht, Tess. War zu sehr mit mir selbst beschäftigt. War fast panisch, weil ich so weit weg war vom Schreiben nach dem Abend gestern mit den ganz anderen Eindrücken. So besonders waren sie auch nicht. Siehe Post von heute. Aber ich war eben raus aus meiner Spur und musste mich erst wieder finden. Das ist mir gelungen, nur geschrieben habe ich Dir nicht heute Morgen. Und gedacht hinterher, hätte es tun sollen. Doch viel besser wäre, wenn wir uns weiter bewegen würden endlich und unsere Kommunikation nicht mehr so merkwürdig wäre und verhuscht. Wenn wir wenigstens reden könnten.

Michael, der den Blog nicht liest, aber trotzdem neugierig ist, hat gefragt nach Dir. Was es mit Dir auf sich hat. Ich habe ihm ein bisschen erzählt. Unwillig. Denn warum liest er nicht den Blog, wenn er neugierig ist. Während ich ihm erzählt habe, ist mir aufgefallen: Wir „kennen“ uns seit zwei Jahren. Im November wird es zwei Jahre her sein, dass ich Dich zum ersten Mal bemerkt habe auf der Schnellschwimmerbahn des Hallenbads: diese Gestalt mit der blauen Badekappe und dem dunkelroten Top und den schwarzen kurzen Hosen, die so anmutig schwimmt mit erhobenem Kopf. Was für eine zauberhafte Lesbe! habe ich gedacht. Denn dafür habe ich Dich gehalten. Zu elfenhaft. Zu sehr Frau. Zu sehr für sich. Zu kostbar sich fühlend für einen Mann. Und von da an habe ich nach Dir geguckt und mich gefreut, wenn ich Dich gesehen habe, und Dich interessant gefunden und liebreizend, aber nicht mehr.  Bis … - den Rest der Geschichte kennst Du. Und wenn sie doch jetzt endlich mal weiter gehen würde und sei es nur einen ganz kleinen Schritt – zum Reden miteinander. – Mach mich glücklich! Rede mit mir. Bald.

Ich habe viel zu tun jetzt gleich. Bin erst spät zum Schreiben gekommen. Und es ist mal wieder viel.

Wie hat Dir Traumdeutung gefallen? – Die Deutung, die ich dem Traum gegeben habe, ich würde sie nennen die dynamische Deutung. Es gibt auch noch eine psychoanalytische. Wenn auch noch keine vollständige. Das mit dem Koks verstehe ich nicht.

Muss jetzt gleich mal Anneli kurz schreiben. Für die muss das ja ein Schock gewesen sein,  den Text zu lesen, wenn sie ihn heute gelesen hat. Sie ist eine treue Leserin des Blogs. - Mehr, wenn ich Licht bei Dir sehe, und wenn ich mit dem Post durch bin.

Und noch mal: Wenn doch die Fragen, die ich Dir immer wieder stelle, von Dir beantwortet werden würden endlich. – Was war das gestern für ein Zeichen mit der ausgehängten Vorhangschiene? - Spontan habe ich gemeint: Es heißt cut. Vergiss es, ich will nichts mehr wissen. Aber dann habe ich gedacht, nein, das kann nicht sein. – Und so war es auch nicht. Aber was hieß es dann, rätselhafte, kostbare Frau? Sprich!  

Du bist nicht da. Oder mal wieder rätselhaft und Dir zu kostbar für mich. 

Wenn Du da bist:
Schlaf gut, Tess 

Sonntag, 10. Oktober 2010

Rivale 2

Der allererste Eindruck von ihm war: Unscheinbarkeit eines jungen Mannes. Das war vor den Eindrücken, die mein Bild von ihm geprägt haben. Da habe ich ihn wahrgenommen nicht als eine in Erscheinung tretende Person, sondern nur als eine Silhouette. Silhouette der zweiten Person, die neuerdings gegenüber wohnte in der Dachwohnung. Ein Unterrnieter vermutlich. Student, der da wohnt bei der Frau, welche die Hauptperson war und die Hauptmieterin zu sein schien in der Wohnung. Lebhafte Person. Starke Präsenz. Jedes Jahr in der Karnevalszeit hat sie eine Party gemacht. Lustige Dekoration im Wohnzimmer. Partylicht. Gedränge von Gästen mit Glas in der Hand. Tanzen? Haben die getanzt? Daran kann ich mich nicht erinnern. Auch nicht an Musik. Gut isolierte Fenster oder Rücksicht gegenüber den Nachbarn. Weil sie jährlich die Faschingspartys machte und es in etwa zum Zeitpunkt des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin war, dass die lebhafte Frau eingezogen ist gegenüber, habe ich mir gedacht, die hat bestimmt einen Job im Regierungsapparat. Die kommt aus dem Rheinland und da fehlt ihr jetzt der Karneval. Och je! – Jahre später habe ich eines Tages gesehen, wie sie aus dem geöffneten Fenster nach links und rechts die Straße fotografiert hat. Kurz darauf war sie weg. Zurück in ihre Heimat gezogen wahrscheinlich. Da wird sie froh sein, dass sie jetzt wieder ihren jährlichen Karneval hat im Rheinland. Sie kam dann immer mal wieder zu Besuch. Um nach dem Rechten zu sehen? Weil das ihre Wohnung ist, habe ich angenommen. Eigentumswohnung. Denn das hatte mir mal jemand erzählt, dass die Wohnungen gegenüber alle Eigentumswohnungen sind. Der unscheinbare junge Mann wohnte jetzt alleine in der Wohnung. Als Mieter der lebhaften Frau, dachte ich mir. Was man eben so denkt, wenn man sich flüchtige Eindrücke zusammenreimt, obwohl man es besser bleiben lassen sollte. Denn später stellt sich so gut wie immer heraus, dass man völlig daneben gelegen hat. In diesem Fall stellte sich heraus, dass die lebhafte Frau nichts mit dem Regierungsumzug zu tun hatte und nicht in ihre rheinische Heimat zurückgekehrt ist. sondern übergesiedelt nach London, wo sie eine für ihren Beruf sehr attraktive Aufgabe übernommen hat. Und weiter stellte sich heraus, dass der unscheínbare junge Mann nicht ein Untermieter war, sondern ihr Mann ist, wie sie mir sagte, als ich im vergangenen Juli in der Wohnung gegenüber angerufen habe und die Tess sprechen wollte, aber dann sie, Andrea Mulder, ans Telefon bekam. - Langweilig? – Es bleibt langweilig. Obwohl dann etwas Überraschendes geschah. Der unscheinbare junge Mann, der weiter in der Wohnung wohnte, nachdem die lebhafte Frau weg war, trat nun nämlich - für jedermann in den höher gelegenen Wohnungen der Nachbarschaft sichtbar – in Erscheinung. Denn jetzt fing das an mit dem Dachsitzen. Obwohl nicht anzunehmen ist, dass das seine Absicht war, für die Nachbarschaft in Erscheinung zu treten.. Er hat sich auf das Dach gesetzt – ein gering geneigtes Dach, das mit Teerpappe gedeckt ist -, weil ihm das gefällt: den weiten Blick über die anderen Dächer zu haben. Weil er das für etwas Besonderes hält, was es ja auch ist. Und deshalb hat er auch andere mit genommen auf das Dach und ihnen das Dachsitzen vorgeführt und den Blick über die Dächer. - Ich habe keine Erinnerung daran, wann ich ihn zum ersten Mal auf dem Dach gesehen habe – und mit wem er da war oder ob er da alleine war. – Nein, da war er wohl schon mit Besuchern. Und er ist mit ihnen auch auf dem Dach herumgegangen. Das hat er später nicht mehr gemacht. Da kannte er das schon, und es hat wohl nicht so viel gebracht, das Rumgehen. In Erinnerung ist mir nur geblieben, wie er da saß mit einer Gruppe von sechs, sieben Leuten. Er mit dem Rücken zum Nachbarhaus. Die anderen vor ihm einen Halbkreis bildend. Ihn umlagernd. Und er hat geredet. Mit ausholender Gestik seine Rede begleitend. Die anderen hingen sozusagen an seine Lippen. – Später, als ich mitgekriegt habe, dass er an einer kleinen universitären Einrichtung lehrt, mittlerweile als Professor, hat das die Szene erklärt. Das müssen Studenten von ihm gewesen sein. Und er hat in der Rolle des Lehrenden zu ihnen gesprochen. Gar nicht unbedingt über einen Lehrstoff, vielleicht über etwas Persönliches, Privates. Denn es war eine private Situation. Er hatte die Studenten zu sich mit nach Hause genommen oder zu sich eingeladen. Zum Kaffetrinken? Es war Nachmittags an einem Samstag. Gegen 16 Uhr. - Hauptzweck der Einladung war das Dachsitzen sicher nicht. Die jungen Leute waren bei ihm zu Besuch und da hat er ihnen gezeigt, wie schön es bei ihm auf dem Dach ist. Um sie daran teilhaben zu lassen. Um sie auch mal den unvergesslichen Blick über die Dächer des mittleren Schönebergs genießen zu lassen. Oder um sich zu profilieren. Ich denke, um sich zu profilieren damit. Und darauf komme ich, weil ich annehme, dass er einer ist, der sich profiliert auf eine solche Art, weil das zu der Art und Weise passt, wie er da gesessen hat mit dem Studenten um sich herum und geredet hat mit ausholender Gestik. Großspurig. Sie ist mir großspurig vorgekommen seine Art, wie er da zurückgelehnt saß und sich vor seinen Gästen aufgeführt hat. In Szene gesetzt hat vor den Gästen. Und die Szene war, dass er mit ihnen auf dem Dach saß über der Dachwohnung, in der er wohnt. Mit dem Blick über das mittlere Schöneberg. Und das ist schon etwas Besonderes. Das hat er ihnen gezeigt, dieses Besondere und dass er etwas Besonderes ist. Wie wir mittlerweile alle etwas Besonderes sind. Und jeder von uns bemüht sich auf seine Art, das zu beweisen. Er unter anderem, indem er Leute mit auf das Dach mitnimmt über seiner Wohnung und sich profiliert als ein Typ, der so locker und extravagant ist - sagt man noch extravagant? -, so unkonventionell und abenteuerlustig und individuell. – Jetzt beim Schreiben glaube ich mich daran erinnern zu können, dass keine Frauen in der Gruppe der Studenten waren, die er auf sein Dach mitgenommen hatte. Ich weiß es nicht mehr genau. Nur, wie ich meine Reflexe kenne, habe ich deswegen bestimmt in Erwägung gezogen, dass er schwul ist. Was wiederum zu dem gepasst hat, was ich zuvor wahrgenommen hatte. Dass er wohnte mit der lebhaften Frau in der Wohnung. Dass aber nichts darauf hindeutete, dass die Frau und ihn mehr verbindet als das Zusammenwohnen. Ja, ich habe ihn von da an für schwul gehalten. Es war ja auch keine Frau mehr zu sehen in der Wohnung, nachdem die lebhafte Frau weggezogen war. Lange war keine Frau mehr zu sehen. Allerdings auch keine andere Person. Bis zu dem Samstagmorgen, an dem er mit einer jungen Frau auf dem Dach saß, mit der er offenbar zusammen gefrühstückt hatte, und jetzt hatten sie ihre Kaffee- oder Teebecher mit aufs Dach genommen, das er ihr gezeigt hat als die Besonderheit seiner Wohnung und seines besonderen Lebensstils. Und der Haarzustand der Frau ließ vermuten, dass sie noch nicht geduscht und also bei ihm übernachtet hatte. Da er ihr an diesem Morgen offensichtlich zum ersten Mal sein Dach zeigte und die Frau vorher noch nicht zu sehen gewesen war, nehme ich außerdem an, dass das es ihre erste Liebesnacht gewesen ist. Und es spricht viel dafür, dass diese Frau damals die Tess war. Von der wusste ich damals noch nichts und so war alles, was ich dachte: Aha, dann ist er also doch nicht schwul. – Nein, das stimmt nicht, das war nicht alles. Denn, als er mich auf dem kleinen Balkon stehen sah, auf dem ich gerade Klamotten zum Lüften aufhängte, hat er hergedeutet zu mir und der Frau etwas erzählt, was nur etwas über mich gewesen sein kann – danach zu urteilen, wie er und die Frau dabei zu mir herschauten. Ich konnte es mir denken, was er der jungen Frau erzählt hat und ich war erstaunt darüber, dass er das tat. Was er ihr erzählt und dass er es ihr erzählt hat, das ist der zweite Eindruck, der mein Bild von ihm geprägt hat. Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Cédric

-----Original-Nachricht-----
Subject: Cédric im Hellgrewe
Date: Tue, 05 Oct 2010 02:03:33 +0200
Liebe Freunde der Nacht, liebe Freunde der Musik, liebe Freunde der Kunst,

wie Ihr bestimmt mitbekommen habt, haben sich Frau Schupp und ich getrennt.
Mein Einsatz im Renger-Patzsch wurde leider nicht gewürdigt, und so mussten sich unsere Wege trennen.Das tut mir ansatzweise leid, geht aber auch peripher an mir vorbei. Umso schöner finde ich es, Euch in einem ehrlichen Laden, der Hellgrewe begrüßen zu dürfen … mit ehrlichen Chefs (Marco aus der „Luna 28“ und Jan). Die Beiden bieten eine eben so gute Qualität und eine Preisklasse wie im Renger-Patzsch … und dazu aber einen zuvorkommenden und unarroganten Service.
Ich weiß, solche Worte sind nicht grade fair, dafür aber ehrlich empfunden.
Im Hellgrewe erwartet Euch ein gemütliches, warmherziges Ambiente und moderne deutsch-französische Küche von unserem jungen Chefkoch Jan Cornelius-Hellgrewe – bekannt aus dem Horwart - der für Euch mit allergrößter Leidenschaft in der Küche zaubert.
Unsere Karte bietet Euch von Ochsenbäckchen über ein herrliches Wiener Schnitzel, zauberhaften Jakobsmuscheln, Austern, gebackenem cremig-flüssigem Crémoulin-Käse (köstlich!) bis hin zu Schokoladenmus im Baumkuchenmantel eine delikate Auswahl an Köstlichkeiten, die durch einen kompromissfähigen und kompetenten Service abgerundet wird. Dazu servieren wir durch mich persönlich empfohlene, zum Essen passenden Weine sowie Crémant und Champagner.
Aus diesem Anlass freue ich mich, Euch in gewohnt wunderbarer Atmosphäre vor Ort begrüßen zu dürfen.
Ich stehe mit meinem Namen für Angebot, Qualität, Service und Küche, die Ihr von mir gewohnt seid. 
Jan, Marco, unser Barchef Kosta und ich freuen uns auf Euren Besuch im Hellgrewe!

Restaurant Hellgrewe
Friedelstr. 31 (Ecke Maybachufer)
Kreuzkölln, Berlin-City
Tel.: 030/87 33 14 23
Öffnungszeiten
Dienstags-Sonntags ab 17:31 bis ???

Und nicht vergessen:
Jeden Donnerstag ab 21:30
Chud 1 an den Turntables im Luna 28 in der Frankenstr. 2 – Schöneberg (und weiter geht’s Baby, wie mein Lehrmeister Volker Hauptvogel gesagt hätte)

Samstag, 2. Oktober 2010

Rivale

Was habe ich eigentlich gegen den Vermieter von der Tess? Für die Rivalität wäre es doch ausreichend, wenn ich ihm wünsche, dass ihm die Tess wegläuft und dann am besten zu mir. Da muss ich ihn nicht auch noch schlecht machen. Für die Rivalität wäre es sogar nützlicher, wenn ich ihn zumindest neutral sehen würde, um ihn besser einschätzen zu können und um die Tess besser zu verstehen. Denn sie ist nun mal mit ihm zusammen. Also muss es etwas geben, was ihr an ihm/bei ihm gefällt oder einmal gefallen hat. Was? – Wenn er so ist wie der Klang seiner Stimme vermuten lässt, wenn er sich am Telefon meldet, dann hat er ein angenehmes, sympathisches Auftreten. Zweimal gehört seine Stimme, als ich anrief, und er dran war. Einige Male mehr gehört auf dem Anrufbeantworter: …Wir sind leider nicht zu Hause. Wenn Sie uns … . – Das ist eine weit verbreitete dämliche Formulierung in AB-Ansagen: leider nicht zu Hause. Denn was soll´s? Die Anrufer werden wohl kaum erwarten, dass er so oft wie möglich zu Hause ist, um ihre Anrufe entgegennehmen zu können. Aber das sagt nichts über ihn, dass er diese Formulierung gewählt hat. Nur, dass er über so etwas nicht nachdenkt, weil er anderes im Kopf hat oder weil er nicht so penibel ist wie ich zum Beispiel. – Was weiß ich noch über ihn? – Wie er aussieht: jungenhaft, obwohl bestimmt auch schon Mitte 40. Kopf größer als ich. Halblange schwarze Haare. Viele Haare. Unverbrauchtes Gesicht. Symmetrische Gesichtszüge. Hübsch. Einziger Makel: die kleinen Augen. Aber die können eine Frau auch an die Knopfaugen des Teddybärs erinnern, den sie so lieb hatte, als sie noch ein kleines Mädchen war. – Was er beruflich macht, weiß ich auch. Hochschullehrer. Mehr darüber nicht wegen der Anonymität, die gewahrt bleiben soll. – Aussehen, Beruf, Status. – Was dabei, weswegen ich was gegen ihn haben könnte? Neid? – Jungenhaft war ich selbst lange. Hübsch auch. So lange, dass es für das Selbstbewusstsein reicht für den Rest meines Lebens. Und seinen Job, den wollte ich nicht machen. Das geregelte Einkommen. Hätte ich auch gerne. Aber deswegen bin ich nicht neidisch. Da hätte ich viel zu tun, wenn ich auf jede mir bekannte Person neidisch sein wollte, die ein geregeltes Einkommen hat. – Eindrücke, die ich von ihm habe. Drei Eindrücke vor allen anderen. Zwei Eindrücke aus der Zeit vor der Tess. Vor der Zeit der Rivalität. Der dritte Eindruck vom September letzten Jahres. Da ist mir überhaupt erst klar geworden, dass er ein Rivale ist. Doch da es damals einen solchen Streit gab zwischen ihm und der Tess, dass ich sie bis hier rüber schreien hörte, und sie sich dabei getrennt haben, schien er als Rivale auch gleich wieder ausgeschieden zu sein. – Der Streit, bei dem die Tess so laut geschrieen hat, war am 15. September. An einem Dienstag. Das habe ich mir gemerkt; ich verheimliche warum. - Vor kurzem habe ich mich an die Szene erinnert. Im Zusammenhang mit dem Text Paar. Ursprünglich wollte ich diesen Text fortsetzen mit der Erinnerung an diese Szene zwischen den beiden. Nachdem mir der Text Paar jedoch überhaupt nicht bekommen ist, habe ich die Idee wieder aufgegeben. Doch die Erinnerung ist geblieben. Der einzige Satz, den ich verstanden hatte damals von dem Geschrei der Tess war der höhnische Ausruf von ihr: Oh yeah, I had my fun! – Da habe ich mich gefragt, was hat er da vorher gesagt, wenn sie im Streit antwortet in höhnischem Ton und hinterher übrigens eine Tür zuschlagend: Oh yeah, I had my fun! – Das ist nicht schwer, diese Frage zu beantworten. Er hat gesagt: You had your fun. Und da habe ich mich gefragt, was ist das für ein Mann, wenn er sagt in einem Streit mit einer Frau: Du hast deinen Spaß gehabt. Oder: Du hattest dein Vergnügen. Und was für eine Art von Streit kann das gewesen sein? Doch vor allem: Was ist er für ein Mann? Und wie steht er zu ihr, wenn er diesen Satz sagt? – Nun ist das kein so schlimmer Satz. Auf jeden Fall ein weit verbreiteter Satz. Nur, ich habe das mal überprüft in meiner Erinnerung, ich habe diesen Satz noch nie gesagt zu einer Frau. Womit ich nicht unterstellen will, dass ich ein besserer Mann bin als er. Ich bin ein schlimmer Mann. Nur anders schlimm oder überhaupt eine andere Art von Mann, als er ein Mann ist. Was für eine Art von Mann? – Von dieser Frage und diesem Eindruck kam ich auf die anderen zwei Eindrücke, die mein Bild von ihm formiert haben, und darauf, die drei Eindrücke einmal zusammen zu betrachten. Doch dann habe ich mich gleich wieder gefragt, ob es gut für mich ist, mich darauf einzulassen und dabei am Ende nicht nur was über ihn rauszukriegen, sondern unvermeidlich auch der Tess dabei nahe zu kommen auf eine Art, wie ich es lieber nicht möchte. Außerdem steht dagegen: Es ist Nacherzählung. Das allerdings nur, wenn ich die gleiche Haltung einnehme wie bisher. Wenn ich mich hingegen selbst beobachte beim Schreiben und meine Gehässigkeit ihm gegenüber wenigstens in Frage stelle, indem ich mich durchgängig frage, was ich eigentlich gegen ihn habe, obwohl ich ihn gar nicht näher kenne und es nicht nötig wäre, etwas gegen ihn zu haben, dann ist das neu, aktuell, striktes Präsens. Eine Aktion in der Gegenwart. Und vielleicht sogar eine Aktion mit einer Perspektive über den Text hinaus. Ausgang offen. Fortsetzung folgt.

Ausstellung Peter L. 3

NACKTE WÄNDE 
in Kreuzberg







Ausstellung Peter L. 2

NACKTE WÄNDE 
in Kreuzberg