Freitag, 21. Januar 2011

Aschenputtel 3

An die Tess, 18-01-11:
Die beiden ersten Texte sind schreiberisch völlig verpeilt – das Drama um meine Vermutungen, mein Wissen und zugleich Nicht-wissen, mein Ahnen, und dann wieder seriös sein und keine unhaltbaren Aussagen machen wollen, dieses Drama überlagert das eigentliche Drama, von dem ich erzählen will: Dein Drama. – Ich kann nicht davon erzählen, weil ich zu wenig darüber weiß.

Mein Plan war: Aschenputtel 1 + 2, da sondiere ich, was ich zweifellos weiß und welche Wahrscheinlichkeiten sich daraus ergeben. Aschenputtel 3, da zeichne ich ein Bild Deines Lebens da drüben als Aschenputtel Tess. – Die Erklärung dafür, dass Du so oft alleine bist – und dafür, dass Du Dich auf die schattenspielartige Affäre mit mir eingelassen hast. - Daran anknüpfend Vermutungen, warum Du das mitmachst, was Dir zugemutet wird vom Professor, der Dich betrügt. – In meiner einfachen Art sehe ich dafür nur zwei mögliche Erklärungen. Entweder Du liebst ihn – lieben, mit allem, was es bedeutet – großes Lieben – so groß, dass Du ihn immer noch weiter liebst, obwohl er Dich betrügt, obwohl Du erkannt hast, dass er ein Betrüger ist als Charakter und Dich damit herabwürdigt, dass er Dich täuscht und Dich weiter täuscht, obwohl Du seine Täuschungen durchschaut hat, und dass er das tut, weil er sich Deiner sicher zu sein glaubt. Aber diese Sicherheit willst Du ihm nehmen, indem Du ihm zeigst, dass Du von anderen Männern begehrt wirst. Zum Beispiel von mir. Zugleich tust Du das aber auch für Dein Selbstwertgefühl. Um Deine Seele zu retten, holst Du Dir bei anderen Männern, was Dir der Mann, den Du liebst, nicht gibt. Erwiederung von Liebe. – Frage allerdings, was will er von Dir? Was holt er sich bei Dir und gibt er Dir dabei – nur eben nicht die Erwiederung von Liebe, die Du Dir wünschst? – Was kann es sein? – Regelmäßigen Sex, eine bestimmte Qualität von Sex, die er bei Dir bekommt, aber bei der anderen Frau nicht? – Von der bekommt er etwas anderes …. . – Also Sex. Und Anwesenheit einer Frau – einer dienstbaren Frau auch. – Meine Vorstellung, dass Du auch seine Hausfrau bist. – Dass Du kochst für ihn, wäschst, bügelst ... . Dass Du ihm den Haushalt machst. – Weitergehende Vorstellung: Deine Liebe. Und er beutet sie aus. – Das kann sein, aber es kann nicht das alleine sein. Ich habe ihn mehrfach leiden sehen Deinetwegen. Auf eine Art, wie einer nicht leidet, wenn es nur um den Besitz und die Verfügbarkeit einer Hausfrau geht, die zugleich Mätresse ist.

Zurück. Was hält Dich in der Situation? – Liebe. Große Liebe. Oder: Not. – Du kannst nicht weg aus diesen Verhältnissen, die unerträglich sind für Dich, weil Dir die Mittel dazu fehlen. Du hast durch ihn eine Versorgung (dazu gehört zum Beispiel mietfreies Wohnen). Und wenn Du weggehst, hast Du die nicht mehr. Du kannst finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen. Nach meinen Eindrücken hast Du mal einen Job gehabt. Inzwischen hast Du den nicht mehr. Oder wenn, dann hast Du nur einen kleinen Job.

Eine wichtige offene Frage ist, wie Du in diese Situation gekommen bist. – Wie bist Du nach Berlin gekommen? Hat er Dich hierher geholt?  Ist er der einzige Grund, warum Du hier bist? – Würdest Du zurückgehen nach da, wo Du herkommst, wenn Du es könntest? Wenn Du die Mittel dazu hättest? – Das ist jetzt aber, glaube ich, eine Überdramatisierung. Beim Niveau der Flugpreise ist das eigentlich nicht vorstellbar. – Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum jemand nicht zurück will dahin, wo er herkommt. – Weil er nicht als Verlierer dastehen will. Und das würdest Du, wenn Du zurückgehst? – Ein Drittes ist etwas, das für mich typisch ist, was allerdings bestimmt auch anderen Leuten passiert als eine Falle, die sie sich selbst stellen: Man will sein Scheitern nicht eingestehen. Denn von dem Moment an, in dem man es sich eingesteht, ist man wirklich gescheitert. Während, wenn man weitermacht, wenn man nicht aufgibt, dann gibt es weiter die Möglichkeit, das Scheitern abzuwenden.

All das weiß ich nicht. Es führt zu weit. Es löst sich auf in so viele Varianten, dass es kein Bild mehr zeichnet von Dir. Was ich jetzt erzählen kann ist nur, dass Du da lebst als eine vernachlässigte Frau/Geliebte eines Mannes, der Dich betrügt oder Dir offen zumutet, dass er neben Dir noch eine andere Frau hat – die er Dir möglicherweise sogar vorzieht. Von dieser Vorstellung habe ich Dir erzählt. Worauf ich den Eindruck hatte, dass Du sie bestätigt hast. Im Detail liege ich bestimmt daneben, aber im Ganzen ist es zutreffend. So habe ich Deine Reaktion gedeutet. Und zu der Reaktion gehörte auch der Akzent auf: Betrügen. Betrüger.

Dass die beiden Texte (A 1 + 2)  so daneben gegangen sind, zeigt mir, dass es so nicht geht. – Und nicht nur, weil ich heute müde bin, da mir eineinhalb Stunden Schlaf fehlen, schrecke ich zurück davor, das zu machen, was ich in Aschenputtel 3 vorhatte, ein Bild Deines Lebens zu zeichnen und dabei auf das kritische Abwägen der Mutmaßungen von Aschenputtel 1 + 2 zu verzichten; es reicht, dass es das dort gibt. - Der beste Text ist der, den ich Dir am Freitagabend geschrieben habe. – Der zeichnet ein Bild. – Aschenputtel 1 +2 ist zweimal ein Krampf – aber auch so etwas wie eine Fundierung des Bildes. – Ich könnte die relevanten Passagen aus dem Text an Dich herausnehmen und aus ihnen einen Post bauen für BzB und A 1 + 2 verlinkt in Das alte Biest stellen. – Und ich könnte das Bild weiter zeichnen – ausmalen, indem ich die Fragen stelle, die ich hier – siehe oben – gestellt habe. – Das ist eine Lösung. Ob es die richtige ist, kann ich im Moment nicht entscheiden, weil ich so einen müden Kopf habe. Beim Schreiben der Morgenseiten vorhin bin ich fast eingeschlafen. Wirklich!

Mittwoch, 19. Januar 2011

Aschenputtel 2

Streit. Er: You had your fun. – Sie: Oh yeah, I had my fun. – Sie geht weg. Doch anscheinend will er nicht, dass sie weggeht. Er redet mit ihr. Abende lang. Stundenlange Verhandlungen. – Worum könnte es gehen in dem Streit? Da er nicht will, dass sie weggeht, kann es nur so sein, dass er ihr etwas zumutet, und er will, dass sie das akzeptiert. – Unbekannte. Variable. Vorstellung, sie ist schwanger. Er will kein Kind mit ihr haben. Aber warum denn nicht? Warum will er von dieser süßen Frau, von der er will, dass sie bei ihm bleibt, und mit der er im Hochsommer einen Honeymoon erlebt hat, nicht das Kind dieses Honeymoons haben? Und warum argumentiert er dabei u.a. mit dem unterirdischen Macho-Satz: You had your fun? – Neben den üblichen Gründen und der Möglichkeit, dass er ein Arschloch ist, als das er sich in diesem Moment erweist, muss es noch einen anderen Grund geben. Denn wenn er ein solches Arschloch wäre, hätte die Tess dann sich mit ihm abgegeben und es darauf ankommen oder es zugelassen, von ihm schwanger zu werden? – Aber auch wenn sie sich in ihm getäuscht und es erst in diesem Moment erkannt hätte, dass er ein Arschloch-Mann ist, wäre sie dann später zu ihm zurückgekommen? Was sie getan hat. Wäre sie dann immer noch bei ihm? Wie es der Fall ist. – Welchen anderen Grund kann es also geben, dass er kein Kind von dieser süßen Frau haben will und mit ihr im Streit darüber so einen unterirdischen Satz gebraucht?

Wie soll ich sie nennen? – Ich habe ihr einmal den Alias-Namen Andrea Mulder gegeben. Der gefällt mir nicht mehr. Alleine schon wegen des Vergleichs mit ihrem tatsächlichen Namen, der ein sehr schöner Name ist. Für mich ein schöner Name, weil er sich zusammensetzt aus den Namen zweier von mir sehr gemochter Personen. Was mache ich? – Professor-Frau ist zu umständlich als Bezeichnung. Ex-und-Noch-Frau ist zu lang. Sie hat sich selbst mir gegenüber bezeichnet als seine Frau. Also ist sie von jetzt an seine Frau. Abgekürzt S.F. – Und in der Szene des Abends vom 15. September 2009, als sie während des Streits des Professors mit der Tess am Tisch saß und hinterher gefeixt hat, nachdem die Tess schreiend und Türen schlagend weggegangen ist, an diesem Abend ist sie nur S.F., weil die Tess da noch nicht wusste, dass die S.F. die Frau des Professors ist. Nicht nur die Ex-Frau, sondern die Noch-Frau. Allerdings könnte es sein, dass der Tess an diesem Abend klar wurde oder klar gemacht wurde, dass die S.F. immer noch eine Rolle spielt im Leben des Professors. Dazu später. Jetzt ist es erst mal so, dass die Tess schwanger ist, dem Professor das gesagt hat – vermutlich freudestrahlend -, dass der Professor sich nicht darüber gefreut hat und ihr gesagt hat, dass er das Kind nicht haben will. – Frage: Warum sitzt S.F. bei dieser Szene dabei? – Um dem Professor zu helfen? Um ihm den Rücken zu stärken? Aber warum feixt sie dann hinterher (das Feixen ist eine zweifelsfreie Beobachtung)? – Die S.F. ist von Bildung und wahrscheinlich auch vom Herkommen eine sehr kultivierte Frau. Wie kann sie feixen und mit dem Professor Wein trinkend anstoßen, nachdem der zu einer anderen Frau diesen unterirdischen Macho-Satz (You had your fun) gesagt hat, auf den sie zumindest mit einem Stirnrunzeln hätte reagieren müssen als kultivierte und postfeministisch sozialisierte Frau, die einem Typ, der das zu ihr sagen würde in einer vergleichbaren Szene, wahrscheinlich den Mittelfinger zeigen würde, und das wäre es dann gewesen? - Das kann ich mir nur damit erklären, dass sie in der Szene Partei war. – Partei für den Professor gegen die Tess. Gegen die Tess als eine jüngere Frau, die sich den Professor schnappen will mit ihrer Schwangerschaft. Und in diesem Fall muss dem Ex-Mann, der immer noch ein guter Freund ist, geholfen werden. - Oder gegen die Tess als einer Konkurrentin. Einer Konkurrentin, deren Existenz sie hingenommen hat, weil sie in ihr keine ernstzunehmende Konkurrenz gesehen hat. Aber nun, da die Konkurrentin schwanger ist, und sich damit einen Vorteil verschaffen könnte gegenüber ihr, die nicht schwanger ist, muss der Tess ihre Grenze gezeigt werden. Deshalb ist die S.F. da, um den Professor bei dieser heiklen Aufgabe zu unterstützen. Und deshalb nimmt sie auch keinen Anstoß an der unterirdischen Rhetorik des Professors (You had your fun); statt die Stirn zu runzeln deswegen, feixt sie. Der Satz, den sie sich selbst wohl kaum gefallen lassen würde, der ist ihr gerade recht. Denn was der Professor der Tess antut, das tut er für sie, die S.F., seine Frau. Und wenn die Tess ihn daraufhin verlässt, dann ist ihr das mehr als recht. Ihr Feixen deshalb keine Schadenfreude, sondern ein Triumphieren. Und das Verhalten des Professors, die Grobheit gegenüber der Tess – zugleich Verhalten der S.F. gegenüber. Beweis seiner Entschlossenheit, sich nicht einwickeln zu lassen von der Tess. Loyalitätsbeweis, Liebesbeweis der S.F. gegenüber. -  Verhalten eines Mannes zwischen zwei Frauen. Der Professor dabei sicher auch überfordert; ich habe ihn nie zuvor und nie danach Alkohol trinken sehen in seinem Wohnzimmer. Und hinterher hat es ihm leid getan, wie er mit der Tess umgesprungen ist. Das mit Sicherheit, das habe ich gesehen, wie er auf sie eingeredet hat an den folgenden Abenden, wie er sie überzeugen wollte von etwas – die Zumutung zu akzeptieren und trotz der Zumutung, bei ihm zu bleiben.

Die Zumutung? – Die Schwangerschaft abzubrechen? Oder gab es keine Schwangerschaft? Ging es um die andere Frau, nur um die andere Frau? Darum, dass es sie gibt, dass es seine Ex-und-Noch-Frau ist? - Er hat das der Tess verschwiegen und sie hat es rausgekriegt. Oder die S.F. hat vom Professor verlangt, dass er für Klarheit sorgt?  –  Intuitiv neige ich immer noch zur Schwangerschafts-Version, obwohl sie durch nichts belegt wird, gestützt nur von einem vagen Hinweis, den es Monate später von der Tess gegeben hat. Variable. Unbekannte. Die Tess war nicht schwanger. Oder die Tess war schwanger und die Schwangerschaft wurde abgebrochen. Als sie Wochen später zurückkehrte zum Professor war sie nicht schwanger oder nicht mehr schwanger. Sie hat weiter mit ihm zusammen gelebt. Sich mit ihm gestritten, sich wieder mit ihm versöhnt. Worüber gestritten? – Über eine Zumutung, die fortbestanden hat? - Die Zumutung der feixenden und triumphierenden Frau? Die S.F.? Seine Frau? - Und wenn die S.F seine Frau ist, wer ist dann die Tess? Was macht sie da? Wie lebt sie dort drüben?

Aschenputtel 1

Was wird das jetzt? – Hypothese, Annahme: Eindrücke. Beobachtungen. Deutungen. Vermutungen. Verdichtet zu einer Vorstellung. – Lücken. Varianten. Vorstellung mit mehreren Unbekannten. – Betrachter teilnehmend: Begehren. Sehnsucht. Einfühlung. Phantasie. Projektion. Blindheit. Verwirrung. Zu wenige Informationen.
Ein Paar. Die Tess und der Professor. Entweder schon seit längerem zusammen und wieder vereint oder noch nicht lange zusammen. Paar an einem Hochsommerabend auf einem Balkon gießt die Balkonpflanzen der verreisten Nachbarn. Honeymoon-Anmutung. – Zweite Szene: Das Paar mit einem anderen Paar auf dem Dach. Morgen nach einer langen Nacht. Das Paar wird fotografiert. Der Professor hockt in sich zusammengesunken. Die Tess posiert für das Foto, indem sie ihren Arm um die Schultern des in sich zusammengesunken hockenden Professors legt. Liebespaar.
Wenige Wochen später Streit. Früher Abend des 15. September 2009 (Dienstag). Offene Fenster. Geschrei der Tess. Deutlich zu hören: Oh yeah, I had my fun! Tonfall höhnisch. – Danach Türenschlagen. Die Tess verlässt die Wohnung, Rückzug in das zur Wohnung gehörende kleine Apartment (Contessa-Zimmer). In der Wohnung, Wohnzimmer, am Tisch der Professor, ihm gegenüber sitzend eine Frau, über deren Identität lange Unklarheit bestand. Inzwischen kein Zweifel mehr: es ist die Frau, die sich Monate später in einem Telefongespräch mit mir als die Frau des Professors bezeichnet hat: ich bin seine Frau, hat sie gesagt und ich habe das damals für ein Täuschungsmanöver gehalten. Inzwischen glaube ich jedoch, dass sie tatsächlich die oder eine Frau des Professors ist. Ex-Frau; die beiden immer noch verbunden durch gemeinsamen Wohnungsbesitz. Oder Ehefrau, Noch-Ehefrau. Lebend und arbeitend in London. Sie immer wieder zu Besuch in Berlin. Er immer wieder zu Besuch in London? – Fernbeziehung? Oder nie ganz beendete Beziehung? Wieder aufgenommene Beziehung? – Auf jeden Fall ist die Tess nicht die einzige Frau im Leben des Professors. Neben ihr als seiner mit ihm in der Dachwohnung zusammenlebenden Freundin gibt es noch eine weitere Frau. Die bezeichnet sich als seine Frau und es gab sie schon im Leben des Professors, bevor es die Tess gab. – Dass es sie gab, hat die Tess sicher gewusst; sicher nicht gewusst hat die Tess, welchen Status diese Frau hat oder behauptet (ich bin seine Frau) im Leben des Professors - dass er also immer noch was mit ihr hat. Wie viel und wie sehr und wie er das hinkriegt mit beiden Frauen, ist unklar. Aber es scheint so, dass er es nicht gut hinkriegt. Zumindest nicht so, dass es für die Tess gut ist.
Abend des 15. September 2009. Satz: Oh yeah, I had my fun. Streit. Der Professor am Tisch mit einer Frau, die ich damals für eine Nebenfigur hielt. Nachdem die Tess wütend weggelaufen ist, der Professor zu sehen, wie er erst der Frau, die ihm gegenüber sitzt, und dann sich selbst Wein einschenkt. Die Frau feixt; der Streit scheint ihr gefallen zu haben. Der Professor hat gerade etwas klargestellt. Einen Schnitt gemacht. Die Tess abgewiesen. – Damals war ich intuitiv der Überzeugung, dass die Tess schwanger war und dass er ihr erklärt hat, dass er kein Kind haben wolle. – Denn: Wenn eine Frau weggeht aus einem Streit mit einem Mann und in höhnischem Ton ruft: Oh ja, ich hatte meinen Spaß – dann muss er vorher gesagt haben: Du hattest deinen Spaß. – Anders lässt sich der höhnische Ausruf der Frau nicht erklären; denn das wird sie wohl kaum im Streit als positive Feststellung von sich aus sagen: Oh ja, ich hatte meinen Spaß – und das dann auch noch in höhnischem Ton. – Er hat zu ihr gesagt: You had your fun. Du hattest deinen Spaß. – Und wann sagt ein Mann, der ein Mann ist, der so etwas zu einer Frau sagt, einen solchen Satz im Streit mit einer Frau? – Da gibt es nur zwei Möglichkeiten. A) Wenn sie schwanger ist, er das Kind nicht haben will und er argumentiert, du hattest deinen Spaß, jetzt trage auch die Konsequenzen. B) Wenn er sich von ihr trennt. Wenn er sie wegschickt und erklärt: Es ist vorbei. Aber du hast keinen Grund Dich zu beschweren. Du hattest schließlich deinen Spaß.
Weil ich die Rolle der am Tisch sitzenden Frau nicht richtig eingeschätzt und sie für eine Nebenfigur gehalten habe, war ich damals überzeugt von der Variante A (schwanger). – Für diese Variante sprach auch, dass ich an den folgenden Abenden die Tess und den Professor an dem Tisch im Wohnzimmer sitzen und miteinander reden sah. Eindruck von stundenlangem Reden. Eindruck, dass er sie von etwas überzeugen will. – Was ihm dann aber nicht (gleich) gelungen ist. Denn am Samstag darauf sah ich die Tess im Contessa-Zimmer sitzen, im Hintergrund ihre gepackte Tasche, die Tess offensichtlich entschlossen, den Professor zu verlassen. Der stand vor ihr, redete auf sie ein. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Er wollte sie offenbar vom Weggehen abhalten. Nur eben ein Kind wollte er nicht? Oder ging es um etwas anderes? Das habe ich damals nicht in Erwägung gezogen. Danach dann nur mitgekriegt, dass die Tess weg war. Dass sie nach ein paar Wochen wieder zurückkam (nicht oder nicht mehr schwanger) und die beiden wieder zusammen waren, es aber nie lange gut ging. Immer wieder gab es Streit, woraufhin sie sich ins Contessa-Zimmer zurückzog, dort übernachtete, sich ihm verweigerte, zwei Wochen lang, einmal sogar drei Wochen, länger allerdings nie. Dabei schien er der Leidtragende zu sein. Derjenige, der sich um sie bemühte, sie umzustimmen versuchte. Während sie nicht so ohne weiteres bereit war einzulenken. - Gekränkt? Grollend?  – Warum?