Freitag, 14. Oktober 2011

VertrauenLiebe


Vertrauen

„Kommt jetzt endlich weiter“,
sagt der Wolf,
der ein sich widerstrebendes Schaf
am Hals festgebunden
hinter sich herzerrt,
„sonst verlierst du mein Vertrauen“.
Man sieht,
Vertrauen kann gefährlich sein
und wird es nicht oft erschlichen,
für eigennützige Zwecke?
Andererseits gibt es das Urvertrauen,
das man haben muss,
ohne das man nicht leben könnte
(die Welt wird 
heute schon nicht untergehen,
ich werde wohl nicht gleich verhungern
und manche Menschen lieben mich wirklich).
Auch kommt man ohne Selbstvertrauen nicht weiter.
Wie viele Leute kenne ich,
die denken,
sie wären nichts wert,
hässlich,
alt,
oder ohne Bildung
und anderer Herkunft.
Ich unterscheide die Menschen nicht mehr danach,
will nur wissen,
ob sie Interesse haben an Anderen,
die Kommunikation mögen
und wenigstens ein offenes Ohr haben.
Man muss nicht gleich depressiv werden,
um lernen zu können,
dass man selber nichts Besonderes ist,
aber jemand Besonderes sein kann,
der die Menschen achtet
und ihnen vertrauen will und kann.
Mann,
wie vielen tollen Menschen
ist man schon begegnet
und hat Begegnungen kaputt gemacht,
mit Misstrauen und Größenwahn.
Ich selber habe viel Glück gehabt,
im Leben,
was Vertrauen betrifft
und ich habe versucht,
alles zurückzugeben,
was ich konnte.
Leider habe ich nicht mehr viel Zeit.
P.


Liebe

Angefangen hat es damit,
dass ich ein Wunschkind war
und ich trotz der schwierigen Zeiten
immer gefördert wurde.
Auch heute noch
habe ich eine tiefe emotionale Beziehung
zu meiner Mutter.
Mein Vater ist leider schon mit 44 gestorben,
aber mein Stief ist ein wunderbarer Ersatz.
Meine erste Liebe war Monika,
da war ich 10, sie 8.
Ich konnte ihr imponieren,
weil ich „Max und Moritz“ auswendig konnte
(Ach, was muss man oft von bösen…).
Da sie immer nach Penaten-Creme roch,
muss ich auch heute noch stets ein Döschen vorrätig haben.
Ab 1967 wurde es plötzlich leicht,
mit Frauen intim zu werden,
wobei Liebe nicht die Hauptrolle spielte,
man war noch am suchen und sich auszuprobieren.
Mit meiner ersten richtigen Liebe,
habe ich heute noch regelmäßig Kontakt,
mit meiner zweiten und dritten auch
(alles tolle Frauen).
Danach kamen noch weitere,
bei denen ich nicht aufhören kann,
sie lieb zu haben
und denen ich auf meine Art treu bin.

Liebe kann manchmal schmerzhaft sein.
Es wäre einfacher,
wenn man sich von seinem Machtanspruch lösen könnte,
die Frau verehrt und nicht bevormundet
und das Miteinander pflegt.
Wir werden ohne Liebe die Zukunft nicht meistern,
weil sie die einzige Möglichkeit ist,
unsere Emotionen in eine richtige Richtung zu bringen
um den Hass auf der Welt vielleicht eines Tages zu bändigen.
P.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Vor 18 Jahren *

* Betreff von Peters Mail, mit der er das Foto am 1. Mai, Susannes Todestag, verschickt hat.

Bearbeitet



Original

Freitag, 11. März 2011

Schicksenplot 4

Kroll hat nach dieser Erzählung Sympathie für Liliane – wegen ihrer Offenheit und wie man eben Sympathie haben muß mit jemandem, der so viel gewagt und jetzt alles verloren hat, aber immer noch nicht aufgeben will. Trotz allem Wohlwollen kann er Lilianes Bitte um einen Aufschub der polizeilichen Ermittlungen nicht nachkommen. Allerdings sagt er im Hinausgehen, dass sie sich wohl vorstellen kann, dass dies nicht sein einziger Fall ist. Und dann nickt er ihr noch mal aufmunternd zu.

Damit hat Liliane ihren Aufschub. Aber was macht sie jetzt damit? – Ihre Mutter beschwören, Perle beschwören, auf Daniel einzuwirken, dass er mit ihr redet. Sie wird ihm alles erklären. – „Was willst du ihm erklären?“ fragt ihre Mutter. „Dass du nicht wolltest, dass ihm drei Rippen gebrochen werden? Eine hätte dir auch schon genügt? Oder willst du ihm wieder sagen, dass er selbst daran schuld ist?“ – „Ist er doch auch. Warum hat er sich so gewehrt?“ möchte sie sagen. Das wird sie aber erst später tun. Jetzt beißt sie sich auf die Lippen und dann heult sie ihre ganze Verzweiflung aus sich heraus: „Reden will ich mit ihm wie unter Menschen. Anklagen soll er mich und beschuldigen. Schimpfen soll er mit mir und mich verwünschen. Streiten soll er mit mir und mich auch anhören. Wie sollen wir uns je wieder versöhnen, wenn er nicht bereit ist, mit mir zu streiten? Es kann doch nicht sein, dass es keine Versöhnung geben kann zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Egal, was für Fehler sie gemacht hat.“ – „Du hast ihn nicht gesehen“, meint darauf Edith nur knapp. Während Perle sichtlich mitgenommen ist von den Tränen ihrer Mutter: „Wir haben es ja schon versucht, ihn umzustimmen. Aber da hat er so getobt, dass er Nasenbluten gekriegt hat.“ – Und dann kommt es: „Maren“, murmelt Edith. – Was? – „Gehe zu Maren!“ wiederholt Edith. „Wenn er auf jemanden hört, dann auf sie. Er war überglücklich, dass sie in die Klinik gekommen ist. Und obwohl er so elend dran war in der Nacht, hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht.“

Liliane stöhnt auf und blickt zerknirscht zum Himmel: „Das habe ich jetzt also auch noch geschafft.“ Dann schüttelt sie den Kopf. Wir ahnen, dass sie es weniger Überwindung kosten würde, sich einen Finger abzuhacken, als zu ihrer Widersacherin zu gehen. Und überhaupt, was soll es bringen? „Soll ich mir die Klamotten zerreißen, mich vor ihr in den Staub werfen, und dann wird alles gut.“ – „Damit solltest du nicht rechnen“, meint Edith trocken.

Doch schließlich bleibt Liliane nichts anderes übrig, als dem Rat ihrer Mutter zu folgen. Das Angebot von Edith und Perle, sie zu begleiten, schlägt sie aus. Keine Zeugen, wenn sie sich demütigt. Doch zu Lilianes Verblüffung wird es dann gar kein so schwerer Gang für sie. Maren ist distanziert und sehr kühl, aber nicht abweisend, und keineswegs verwundert, dass Liliane zu ihr kommt. – Liliane eröffnet, indem sie sagt, dass sie von ihrer Mutter erfahren hat, dass Maren und Daniel sich versöhnt haben. – Nein, berichtigt Maren spröde, das kann man nicht sagen, dass sie sich mit ihm versöhnt hat. Sie will ihm nur beistehen, solange es ihm so dreckig geht. – Das ist ihr hoch anzurechnen, versucht sich Liliane nun auf eine Art, die nicht die ihre ist. Daher läßt sie es lieber gleich wieder und kommt nach tiefem Atemholen zu ihrer Bitte. So schwer es ihr fällt, sie zu äußern, so weit holt sie aus: „Es geht mir nicht um die Anzeige, die er gegen mich erstattet hat. Das ist mir egal. Wenn er es will, wenn er es braucht, mich vor Gericht zu zerren, das kann er haben. Worum es mir einzig geht, das ist, dass er sich nicht verrennt, dass er sich nicht so verhärtet gegen mich, dass es für ihn kein Zurück mehr gibt zu mir. Das würde ich….“ – Da unterbricht sie Maren, als wolle sie ihr sagen, dass sie sich weitere Worte sparen soll, weil sie nichts für sie tun kann. Doch das Gegenteil ist der Fall: „Ich kann ihn nicht zwingen, mit dir zu reden. Alles, was ich tun kann, ist, dich mitzunehmen ins Krankenhaus und ihn daran zu hindern, dass er dich rauswirft.“ – Liliane ist zum ersten Mal beeindruckt von Maren.

Auf dem Weg in die Klinik haben die beiden dann so etwas wie eine Aussprache - „so etwas“, denn darauf, dass die beiden je miteinander ins Reine kommen, gibt es keine Hinweise. Nur mal so, um Ton und Atmosphäre anzudeuten:

Maren:
Wegen Leuten wie Dir gibt es immer noch Vorurteile gegen Juden.

Liliane:
Ha! Man muß nur lange genug kratzen an euch Philosemiten und schon kommt der Antisemitismus zum Vorschein.

Maren:
Ich bin keine Philosemitin. Ich bin Konvertitin.

Liliane:
Wieso willst du immer noch konvertieren? Du kriegst ihn doch jetzt auch so.

Maren:
Wenn ich was angefangen habe, bringe ich es auch zu Ende.

Liliane:
So hat Hitler auch gedacht.

Maren:
War das jetzt wieder der berühmte jüdische Humor?

Liliane:
Das hat mich gestern schon mal jemand gefragt.

Maren:
Weil du überhaupt keinen Humor hast. Du bist dir nur für keine Bösartigkeit zu schade.

Liliane:
Aber das ist eine Art von Humor.

Maren:
Und wieso kann ich darüber nicht lachen?

Liliane:
Der andere hätte beinahe gelacht, obwohl er auch a Goj ist.

Maren:
Und warum hat er nicht gelacht?

Liliane:
(lächelnd bei der Erinnerung an Kroll)
Weil er im Dienst war.

Maren sieht sie von der Seite an. Jetzt ist es einmal an ihr, die Augen zu verdrehen - und dann auch gleich vorbei mit so etwas wie Aussprachen. Denn Daniel ist aus der Klinik abgehauen. Hintergrund: Er hat mit Kroll telefoniert, um zu erfahren, wie es steht mit seiner Anzeige. Er hat den Eindruck gewonnen, dass die Polizei die Bearbeitung des Falles verschleppt, weil Kroll sich von seiner Mutter hat einwickeln lassen. – Aber was hat er jetzt bloß vor? Von der Stations-Schwester gibt es einen ersten Hinweis: Daniel hat Einwegspritzen und diverse Barbiturate in einer Menge mitgenommen, mit der man die komplette Besatzung eines Eisbärgeheges sedieren könnte. - Anscheinend ist er hinter Michail her. Er will sich an ihm rächen. – Ohne Worte werden Maren und Liliane jetzt zum Team. Sie müssen Daniel finden, bevor er Michail findet. – Wo wird er suchen? – Vielleicht bei Nadja.

Nadja mit Aaron. Sie warten auf Michail, um mit ihm zusammen ihre Eltern vom Flughafen abzuholen. Nadja kann sich nicht erklären, wo er bleibt. – Dann der Anruf von Perle. Daniel hat angerufen. Liliane soll nach Hause kommen. Und ein Kriminalbeamter ist da, den hat Daniel herbestellt. – Jetzt dämmert Liliane, was ihr Sohn vorhat. – Mit Nadja und Aaron auf dem Rücksitz fahren Maren und Liliane los. – Was hat Daniel vor? - Liliane: „Einen Schauprozeß will er mir machen, der Golem. Ist es zu fassen? – Das ist sein gojischer Hang zum Pathetischen. Den hat er von seinem Vater. - Wagner! Meschuggener Wagner.“ – „War sein Vater nicht Jude?“ – Nein. – „Und wer war sein Vater?“ – „Wenn ich es ihm nie gesagt habe, werde ich es dir auch nicht sagen.“ – „Warum nicht, war es jemand Berühmtes.“ - Liliane schweigt. – Nadja verschmitzt: „Wagner?“ – Trotz des Ernst der Lage müssen Liliane, Nadja und auch Aaron lachen. Maren fühlt sich ausgeschlossen. Aber das ist ihr jetzt auch egal. Sie kommt schon noch dran.

Doch jetzt hat erstmal Daniel seinen Auftritt. Wie sich beim Eintreffen von Liliane und den drei anderen zeigt, hat er nicht nur Edith, Perle und Kroll in die Wohnung gerufen, sondern auch Rabbi Levinson (um die Öffentlichkeit der Gemeinde herzustellen). Bei Daniel ist Michail oder das, was von ihm übrig geblieben ist: blöde grinsendes, lallendes Gemüse. – Daniel, in der Rolle des Anklägers (er hat tatsächlich einen Hang zum Pathos), hat deshalb einige Mühe verwertbare Aussagen von Michail zu bekommen. - Während Liliane es kaum aushält, als sie jetzt ihren kaputten Prinzen zum ersten Mal sieht (in der Klinik hat sie ihn ja nicht gesehen). Dann faßt sie sich und macht Michails Qual ein Ende, indem sie Daniel zur Vernunft ruft - aber ganz im Ton der liebenden Mutter, der es fast das Herz zerreißt beim Anblick ihres so übel zugerichteten Kindes: Was macht er denn da nur? Das hätte er doch alles viel einfacher haben können, wenn er nur mit ihr geredet hätte. Er muß nicht beweisen, dass sie Michail angestiftet hat. Sie gibt es ja zu. Und jeder weiß das, auch der Herr Kroll. Aber sie wollte nicht, dass er so schwer verletzt wird. Sie wollte überhaupt nicht, dass er verletzt wird. Alles ist nur gekommen, weil er sich so gewehrt hat. – Bitteres Auflachen Daniels. Räuspern in der Runde. – Und dann sagt sie, wie unendlich leid es ihr tut, wie alles gekommen ist. Aber jetzt reden sie wenigsten endlich mit einander … .

Daniel, der jetzt ziemlich dumm dasteht in seiner Anklägerrolle, nachdem seine Mutter so unumwunden zugibt, was er spektakulär beweisen wollte, denkt aber gar nicht daran mit ihr zu reden. Statt dessen wendet er sich an Kroll: Er hat alles gehört. Der Beweis ist erbracht, dass seine Mutter Michail angestiftet hat. – Dann nimmt er Maren am Arm und will mit ihr weggehen. Doch Maren will nicht mit ihm weggehen: Wenn er sich nicht mit seiner Mutter versöhnt, dann kann er alleine gehen. Und über eine Heirat muß er dann nie wieder mit ihr reden. – Sie will keinen Mann, der mit seiner Mutter im Streit lebt. Weil sie nicht nur einen Mann will, sondern eine Familie. Mit allem, was dazu gehört, Großmutter und Schwägerin und die Schwiegermutter. Sie ist ohne Mutter aufgewachsen. Jetzt will sie wenigstens eine Schwiegermutter haben. Selbst, wenn sie so ist wie Liliane – und sie den Humor, auf den sie sich so viel einbildet, wahrscheinlich nie verstehen wird. - Bei Liliane fließen Tränen. Und Daniel steht jetzt noch dümmer da als zuvor: Was erwartet Maren von ihm? Sie wird doch wohl nicht erwarten, dass er seine Mutter in die Arme schließt, sagt er, den Blick seiner Mutter vermeidend. – Darauf Liliane: „Aber nein, Daniel, bloß nicht! Denk an deine gebrochenen Rippen!“

Der Rest ist Tumult, erstmal viel Tumult, denn auf wundersame Weise haben die Eltern Ginzburg den Weg vom Flughafen in die Wohnung der Familie Katz alleine gefunden, und als die eintreffen und nun ihren mit Drogen vollgepumpten Sohn sehen, da ist gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Edith nicht den gesamten Kalten Krieg mitgemacht hätte und fließend Russisch spräche. Und wenn Nadja ihnen dann nicht auch noch Aaron vorstellen könnte: Aaron Liebkind, mehr als ein Geliebter, sagt sie, eine verwandte Seele. Ein Musiker. Komponist. Und, beeilt sie sich hinzuzufügen, sein Vater, Jacques Liebkind, hat in Straßburg eine große Handlung mit koscherem Wein. Weltweit.

„Dann auf nach Straßburg!“ kann Kroll da nur noch sagen, um sich dann mit der jungen Kollegin in seiner Begleitung darauf zu einigen, dass sie das Geschehen, dessen Zeugen sie soeben waren, als „außerordentliches außerdienstliches Erlebnis“ behandeln werden. „Das heißt, Frau Katz, dass wir die Freiheitsberaubung und was Ihr Sohn sonst noch mit dem Herrn Ginzburg angestellt hat, vergessen werden, und die Posse mit den Anzeigen gegen ihn und gegen Sie selbstverständlich auch.“ – Dafür dankt ihm Liliane und fügt dann an sein Ohr gebeugt hinzu: „Aber meine Telefonnummer, die müssen Sie nicht vergessen. Es wäre mir eine Freude.“

ã Askania Media Filmproduktion GmbH/Wolfgang Gensheimer

Donnerstag, 10. März 2011

Schicksenplot 3

             Liliane hat Daniel ohnehin schon mehrfach um ein Treffen gebeten, um mit ihm darüber zu reden, dass das nicht so weiter gehen kann, dass seine Maren sich nicht nur ihn krallt hat, sondern ihr auch noch ihre Mutter abspenstig macht. Nach mehreren Terminverschiebungen wird sie nun energisch und bestellt Daniel in ihren Laden. Nadja ist mittlerweile in einer Weise blond, als wäre sie so zur Welt gekommen. Einmal mehr ist Liliane von ihr beeindruckt. Das Mädchen hat einfach Stil. – Plan ist, dass Daniel im Laden auf Nadja trifft und die ihm sagt, dass Liliane unvorhergesehen weg mußte. Tatsächlich aber sitzt Liliane dann in ihrem kleinen Büro und knetet nervös die Knöchel ihrer Hand, während draußen Daniel und Nadja sich kennenlernen. Sie vergräbt ihren Kopf in ihren Händen, blickt wieder auf, preßt die Lippen zusammen, schüttelt den Kopf und steht auf: Das geht nicht! Das kann sie nicht machen! Sie will hinaus und die Aktion abbrechen. Da hört sie, wie Daniel sich verabschiedet. Und dann kommt auch schon Nadja an, mit einer Visitenkarte wedelnd. – „So schnell?“ fragt Liliane. – „Wenn es passiert, warum soll es nicht schnell passieren?“ antwortet Nadja strahlend, umarmt Liliane und sagt: „Warum hast du ihn mir nicht schon früher vorgestellt?“

So schnell wie es begonnen hat, geht es weiter. Nadja trifft Daniel zum ersten Mal und dann trifft sie ihn regelmäßig. Sie soll verstehen, erklärt sie Liliane, dass sie ihr, der Mutter, nicht viel mehr erzählen will, nur eines kann sie ihr gar nicht oft genug sagen: Wie dankbar sie ihr ist. Sie, Liliane, hat die Wahl getroffen. Sie hat erkannt, dass sie zusammen passen werden. - Und genau so sieht es Liliane jetzt auch. Die Beklemmungen, die sie befielen bei ihrem Intrigenspiel, sind der beglückenden Überzeugung gewichen, das Beste getan zu haben für ihren Sohn und für diese hinreißende junge Frau,die in ihrer Verliebtheit noch bezaubernder ist. Doch da geht es auch schon los mit den Komplikationen.

Erste Komplikation: Daniel denkt gar nicht daran, Maren wegen Nadja zu verlassen. Und dabei verhält er sich offenbar so geschickt, dass Maren nichts merkt. Beleg dafür: Vom Rabbi Levinson erfährt Liliane, dass Maren zum zweiten Mal bei ihm war (sie sprach über ihre Liebe zu Daniel und sagte, sie will konvertieren, damit es nichts Trennendes zwischen ihr und seiner Familie gibt) und dass er dazu neigt, sie nach der obligatorischen dritten Ablehnung zur Konversion anzunehmen.

Nadja hingegen ist weniger arglos. Jedenfalls zeigt ihre Verliebtheit bald erste Abnutzungserscheinungen: Nie können sie sich treffen, wenn sie will. Immer wieder wird Daniel nachts in die Klinik gerufen. Und warum stellt er sich so an bei der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung? Will er vielleicht gar nicht mit ihr zusammenziehen? – Um die Wahrheit zu sagen: Sie hat das Gefühl, dass es noch eine andere Frau gibt. – Liliane versucht Nadjas Bedenken zu zerstreuen. Versichert sie noch einmal ihrer Rückendeckung. Weiß jetzt aber auch, dass sie etwas tun muß. Von alleine gibt Daniel sein doppeltes Spiel nicht auf.

Da ergibt sich überraschend die Möglichkeit für Liliane, klare Verhältnisse zu schaffen, als Maren sie im Buchladen aufsucht. Maren weiß ja nicht, dass Liliane von ihrer Konversionsabsicht weiß. Nicht einmal Daniel weiß es. Und der soll es auch erst erfahren, wenn es offiziell ist. Es soll sozusagen ihr Verlobungsgeschenk für ihn sein. Liliane hingegen will sie es jetzt schon sagen, um endlich das Eis zwischen ihnen beiden zu brechen. – Liliane ist völlig überfordert von dieser rührenden Initiative Marens und deshalb reagiert sie ganz besonders hart: „Ich lehne dich nicht ab, weil du nicht jüdisch bist, Maren. Sondern weil ich weiß, dass du nicht die richtige Frau für Daniel bist.“ Pause zum Durchatmen. „Und da Daniel anscheinend nicht den Mut hat, es dir zu sagen, sage ich es dir jetzt: dass es diese Frau inzwischen gibt.“

Zweite Komplikation: Trotz aller Bemühungen Lilianes, ihr Gespräch mit Maren vor Nadja abzuschirmen, wird die bei Marens nun fälligem Gefühlsausbruch hellhörig und so kommt es zu einer Begegnung der „richtigen“ und, wie soll man sie nennen, anderen Frau, mit den nun nicht mehr zu vermeidenden Enthüllungen und Entdeckungen.

Dritte Komplikation: Junge Frauen sind nicht mehr, was sie einmal waren. Zumindest ist mit ihnen kein Melodram mehr zu machen. Maren wie Nadja, beide machen sie mit Daniel Schluß. Die eine jagt ihn davon, indem sie verschiedene scharfkantige und spitze Gegenstände nach ihm wirft. Die andere, indem sie seine Klamotten ins Treppenhaus wirft und ihm mit den Verwünschungen, die sie hinter verschlossener Tür ausstößt, gerade noch genug Hintergrundinformationen gibt, damit er weiß, wem er das alles zu verdanken hat.
„Dir selbst, nur dir selbst hast du das zuzuschreiben“, meint seine Mutter, als er sie mitten in der Nacht aus dem Bett holt und sie wütend beschimpft. Doch Lilianes Selbstbewußtsein ist unerschütterlich. Sie wollte nur sein Bestes. Dass er es dann vermasselt hat, dafür kann sie nichts. Und jetzt soll er sich doch bitte benehmen wie ein Mensch, ein Glas warme Milch trinken und dann können sie gemeinsam überlegen, wie sie Nadja wieder versöhnen. – Damit gibt sie Daniel den Rest. Er wird dafür sorgen, dass sie sich künftig nicht mehr einmischen kann in sein Leben mit ihrer Übergriffigkeit, ihrer ekelhaften. - Was das heißen soll? Dass er ihr hiermit in aller Form die Mutterschaft aberkennt. Und dass das keineswegs lächerlich ist und gar nicht geht, das wird sie schon noch sehen. Im übrigen wird er alles tun, um Maren wieder zurückzugewinnen. Und wenn er sie dafür heiraten muß.

Am nächsten Morgen geht es für Liliane dann gleich weiter mit den Beschimpfungen. Denn jetzt kriegt sie es mit dem Bruder Nadjas zu tun. Wie es aussieht, hat nicht Nadja ihn geschickt, sondern er kommt aus eigener Initiative, besser gesagt, auf eigene Rechnung. Vom gebrochenen Herz seiner Schwester und den gebrochenen Heiratsversprechungen Lilianes kommt er nämlich schnell auf die zerstörten Hoffnungen der Familie und damit auf die finanzielle Seite des ganzen Unglücks zu sprechen. Die Eltern haben schon ihre Reise nach Berlin organisiert, um ihren Schwiegersohn und seine Familie kennenzulernen. Die Flugtickets sind bereits bezahlt, weitere Ausgabe für die Reise kamen hinzu. Auch er hatte Auslagen, ebenso Nadja. – Nun könnte man die Tickets ja auch zurückgeben und was Michail „Auslagen“ nennt, kann nicht so erheblich sein, dass Liliane ihm die nicht erstatten könnte. Es ist auch nicht Geiz, der sie daran hindert. Sondern sie ist und bleibt Mutter. Sie kann und wird ihren Sohn nicht aufgeben – und sie wird ihm das nicht durchgehen lassen, was er ihr vergangene Nacht geboten hat. Sie betrachtet den stattlichen, sehr stattlichen Michail von oben bis unten und dann findet sie genau die richtigen Worte: Vielleicht wäre es nützlich, wenn einmal ein Mann mit Daniel redet, sagt sie zu Michail. Wenn einmal ein Mann ihm deutlich macht, dass er Verpflichtungen gegenüber Nadja hat und er sich nun nicht einfach aus der Verantwortung stehlen kann wie ein mutwilliges Kind. Michail muß ihm ja nicht weh tun. Aber zu spüren kriegen sollte Daniel es schon, dass es so etwas wie Grenzen gibt. - Jetzt ist Michail richtig erleichtert: Dann muß er also nicht den Eltern absagen? – Liliane: Nein, nein. Es wird sich alles noch zum Guten wenden. Sie selbst wird auf Nadja einwirken. Er wird unterdessen ein Männergespräch mit seinem zukünftigen Schwager führen. Und er soll ihm ruhig auch von den Eltern erzählen.

Vierte Komplikation: Als Liliane Nadja aufsucht, kommt die gerade aus dem Bett und schließt verstohlen die Schlafzimmertür hinter sich. – Bitteres Lächeln Lilianes. So kann man sich auch über eine Enttäuschung hinwegtrösten. Da weiß sie allerdings noch nicht, wer in dem Schlafzimmer ist. Gleich wird sie es erfahren. Es ist Aaron, der Freund Perles. Wieder einmal ging es bei Nadja ganz schnell. Aber im Unterschied zu Daniel ist das mit Aaron jetzt die wahre, die große Liebe, sagt sie. Mit Daniel, das war nur ein Wunsch. Ein Traum. Ein Versprechen. Sicher auch Leidenschaft. „Daniel ist ein guter Liebhaber. Er hat viel geübt. Das ist zu spüren. Aber er hat sonst nicht viel zu sagen.“ – Autsch!

Auch bei Michail läuft es nicht besser, dafür um so desaströser. Daniel ist sofort klar, dass seine Mutter ihm Michail geschickt hat. Deshalb ist er so aggressiv und damit verantwortlich dafür, dass es so rasch handgreiflich wird. Deshalb wehrt er sich so verbissen, dass Michail nichts anderes übrig bleibt als Ernst zu machen. Und deshalb gibt er nicht eher auf, als bis er bewußtlos am Boden liegt. – Unter uns Amateur-Psychologen: Es ist eigentlich seine Mutter, gegen die Daniel sich in dem Kampf mit Schlagen, Kratzen, Beißen und Spucken wehrt. – Während Michail das Desaster später, von Liliane zur Rede gestellt, so erklären wird: „Er ist Arzt, er hat Anatomiekenntnisse. Er weiß, wohin er fassen muß, damit es weh tut. Es hat sehr weh getan. Da mußte ich mich wehren. Ich habe ihn angeschrieen, er soll aufhören. Immer wieder. Aber er wollte nicht aufhören. Da mußte ich mich noch mehr wehren. So ist es passiert.“

Das Desaster: Nächtlicher Anruf aus dem Krankenhaus. Daniel schwer verletzt in der Notaufnahme. Liliane zusammen mit Perle und Edith eilen hin. Auf dem Weg zur Station treffen sie Maren, die von Edith informiert wurde und sich sofort auf den Weg gemacht hat. Dann das Warten auf dem Stationskorridor. Endlich dürfen sie zu ihm. Alle außer Liliane! Daniels ausdrücklicher Wunsch. Er will seine Mutter nicht sehen. So erfährt sie es vom behandelnden Arzt: Drei gebrochene Rippen. Gehirnerschütterung. Schürf- und Platzwunden, Prellungen am ganzen Körper. Ein Ohrläppchen mußte wieder angenäht werden. Zu Daniels Glück hatte der beste Kieferchirurg, den die Klinik hat, gerade Dienst. Der größte Teil von Daniels Zähnen wird erhalten werden können. – Als Perle und Edith aus dem Zimmer Daniels kommen, bestürmt Liliane sie mit Fragen. Keine Antwort, kein Blick. Kalte Verachtung Perles. Und dann sagt Edith doch noch was: „Liliane, du brauchst Hilfe. Du brauchst professionelle Hilfe.“

Es ist so schlimm, dass Liliane, als es noch schlimmer kommt, nur noch der Rückzug in den Sarkasmus bleibt. Nach schlafloser Nacht kriegt sie es nämlich erstmal mit einem Herrn Kroll von der Kriminalpolizei zu tun. Ihr Sohn hat Anzeige erstattet. Gegen Michail Ginzburg wegen schwerer Körperverletzung oder versuchten Totschlags; das wird der Staatsanwalt klären. Und gegen seine Mutter wegen Anstiftung zur Körperverletzung oder versuchtem Totschlag, „siehe oben“. Wobei es sich bei der Anstiftung vorerst nur um einen Verdacht ihres Sohnes handelt, der erst noch zu beweisen ist, und zu dem sich Liliane am besten erst in Gegenwart eines Anwaltes äußert. Jetzt geht es um den Verbleib von Michail Ginzburg. Ob Liliane dazu vielleicht Angaben mache kann. Entgeistert hat sich Liliane das alles angehört und jetzt kommt der Sarkasmus:

Liliane:
Ich weiß es nicht, wo Sie ihn finden können. Er hatte eigentlich den Auftrag, meinen Sohn umzubringen. Nachdem er das vermasselt hat, versteckt er sich vor mir.

Kroll:
War das jetzt der berühmte jüdische Humor?

Liliane:
Fanden Sie das witzig?

Kroll:
Naja, wenn das hier nicht dienstlich wäre, hätte ich gelacht.

Liliane:
(kleines Lächeln; dann)
Und wie kommen sie überhaupt auf jüdisch?

Kroll:
Liliane Katz. Daniel Katz. Katz ist doch ein jüdischer Name.

Liliane:
Und haben Sie Probleme damit?

Kroll:
Noch nicht.

Zweites kleines Lächeln Lilianes. Sie faßt Zutrauen zu Kroll.

Liliane:
Haben Sie Zeit?

Kroll nickt. Daraufhin erzählt sie ihm die ganze Geschichte, die schließlich zu dem Desaster führte. In der Absicht, ihm klarzumachen, dass es sich bei all dem um eine Familienangelegenheit handelt, nicht um einen Fall für die Polizei. Und um ihn schließlich zu bitten, ihr die Zeit zu geben, das nun auch innerfamiliär zu regeln, indem sie Daniel dazu bewegt, seine Anzeigen zurückzuziehen.
Fortsetzung folgt

ã Askania Media Filmproduktion GmbH/Wolfgang Gensheimer

Dienstag, 8. März 2011

Schicksenplot 2

Was bleibt Liliane auch anderes übrig, als Daniel sein Leben zu lassen - und sich damit abzufinden, dass nun kein Tag mehr vergeht ohne Maren hier oder Maren da. Maren und Daniel haben Edith zum Essen eingeladen, waren mit ihr in der Neuen Nationalgalerie, haben mit ihr den jüdischen Friedhof besucht, haben ihr das Regierungsviertel gezeigt. Maren hat Karten bekommen für die Philharmonie. Maren und Daniel haben sich zum ersten Mal gestritten, nachdem sie mit Edith im Deutschen Theater waren. – Wo hat Daniel plötzlich all die Zeit her? Und was ist eigentlich mit seiner Wäsche? – Macht die jetzt etwa Maren? – „Soll er sie hin- und herfahren“, meint darauf Perle, „wenn er sowieso bei ihr wohnt?“ -  „Und wann ziehst du zu deinem doppelten Lottchen?“ fragt Liliane darauf ihre Mutter bissig. – „Bist du etwa eifersüchtig?“ fragt Edith zurück. – „Ja, ich bin eifersüchtig“, antwortet Liliane, „und ich habe den Eindruck, dass dein Lottchen, dich dazu benutzt, um Daniel so einzuwickeln, dass er am Ende nicht mehr weiß, wie er da wieder rauskommen soll.“ – „Ach, Kind“, meint Edith darauf, „das hat sie doch gar nicht nötig. Mache es dir doch nicht so schwer. Schließ dich uns doch einfach mal an.“ – Ganz klar geschickt von Edith kommt bald darauf Maren selbst auf Liliane zu und lädt sie ein zu einem Wochenendausflug nach Rheinsberg mit ihr, Edith und Daniel. Das kommt Liliane gerade recht für eine Klarstellung und dann gleich noch eine: Deshalb sagt sie nicht, dass sie keine Zeit hat und auch nicht, dass sie schon ungefähr 23 mal in Rheinsberg war. Sondern sie sagt klipp und klar: „Ziehen Sie mal Ihr Ding durch, Maren. Aber lassen Sie mich bitte aus dem Spiel.“ – Und bei der Gelegenheit auch gleich noch das: Sie möchte, dass die Familie am nächsten Freitagabend wieder unter sich ist. „Das haben wir nämlich immer so gehalten, egal mit wem Daniel gerade zusammen war.“ – Darauf preßt Maren die Lippen zusammen, nickt und sagt dann nur: „Klar.“ – Mit dem Ergebnis, dass am nächsten Sabbat-Abend Liliane mit Perle alleine dasäße, wenn nicht Perles Freund Aaron mittlerweile in Berlin eingetroffen wäre.

Doch dann macht Liliane das Leben ein Geschenk, zumindest hält sie es dafür, und für ihre Buchhandlung ist es auf jeden Fall eins. Denn Nadja, ihre neue Aushilfe, erweist sich als wahrer Glücksgriff. Nadja studiert eigentlich Gesang und tritt für ihren Lebensunterhalt mit ihrem Bruder in Bars auf. Wegen einer Stimmband-Entzündung ist das aber derzeit nicht möglich. So gastiert sie jetzt zum Entzücken Lilianes und ihrer Kunden vorübergehend in der Buchhandlung Katz. Die jüdische Welt Berlins ist klein. Daher verbreitet sich die Nachricht vom Zauber der jungen russischen Jüdin, die bei der Katz arbeitet, schnell bei den frauensuchenden jüdischen Männern aller Altersgruppen. Mit der Folge, dass sich Liliane mitunter in ihrem Laden vorkommt wie bei einem Single-Treff der Gemeinde. Mit entsprechend günstigen Auswirkungen auf den Umsatz. Denn alle kaufen sie ein Buch, die Männer. Und viele kommen wieder, nachdem sie von Nadja ein besonders freundliches Lächeln bekommen haben, und kaufen noch ein Buch und stecken ihr dann ihre Visitenkarte zu.

Binnen kurzem hat Nadja eine ansehnliche Sammlung von Visitenkarten und schlägt Liliane – im Scherz – vor mit dieser „Kundendatei“ eine Heiratsvermittlung für arme russischstämmige Jüdinnen anzufangen. - Ist denn keiner dabei, der sie interessiert? – Nein. – Interessiert sie sich vielleicht mehr für Mädchen als für Jungs? – Nein, nein, für Jungs. Leider. Der letzte war so schlecht zu ihr, dass sie ihm ihren Bruder zum Schluß machen geschickt hat. – „Deinen Bruder?“ – „Nur, um sicher zu gehen, dass er sich noch lange an mich erinnert, der Schuft.“ Und dann fragt sie Liliane, ob sie jetzt enttäuscht ist. – Wieso? – „Naja, weil ich schon gesehen habe, wie du hinter mir herschaust, so verliebt.“ – „Ich?“ – „Du.“ – Liliane lacht. „Verliebt? Nein. Wenn, dann verträumt. Weil du die Schwiegertochter wärst, die ich mir wünsche.“ – „Dann schicke mir deinen Sohn. Ich schaue ihn mir an.“ – Wehmütiges Lächeln. „Er hat leider eine rätselhafte Vorliebe für Blondinen.“ – Dann färbe ich mir die Haare eben blond.“ – Liliane schaut auf Nadjas dunkles Haar und dann auf ihren Schoß und sagt dann abfällig: „Les cheveux blondes et la chatte noire?“ – „Pas de problème. Je me suis rasée“, entgegnet Nadja darauf vergnügt und deutet einen Knicks an. – Rasiert?! Liliane ist beeindruckt. Und Französisch spricht Nadja also auch noch. Aber dann wendet sich Liliane lachend ab und sagt im Weggehen: „Und was ist, wenn er Dir nicht gefällt?“ – „Auch kein Schaden“, ruft Nadja ihr übermütig hinterher. „Ich wollte schon immer einmal blond sein.“ Und fügt dann ganz ernst hinzu: „Eine Schwiegermutter wie du würde mir auch sehr gefallen.“ Und das in einem Ton, dass es Liliane ganz schummrig wird.

Aber was soll´s? – Phantasien eines ausgelassenen Mädchenmoments. Liebeserklärung unter Freundinnen, die sie jetzt endgültig sind. Doch dann kommt der Rabbi Levinson vorbei, um seiner alten Freundin Liliane einen Besuch abzustatten, in Wahrheit natürlich, um Nadja in Augenschein zu nehmen. Da Nadja sich nun aber für Rabbis nicht interessiert und schon gar nicht für Rabbis, die mit drei Kindern von ihrer Frau sitzengelassen worden sind, läuft es am Ende doch auf einen Plausch mit der alten Freundin hinaus. Erst über dies und über das. Und dann: „Ach, ehe ich es vergesse, die Freundin deines Sohnes war bei mir, mit deiner Mutter zusammen.“ – Liliane baff. – „Sie will konvertieren.“ – Liliane faßt es nicht. „Was hast du ihr gesagt?“ - „Was ich immer sage beim ersten Mal. Wenn Gott gewollt hätte, dass alle Menschen Juden sind, hätte er es so eingerichtet. Wir sind nicht scharf auf Proselyten.“ – „Und sie dann?“ – „Sie hat schon gewußt, dass ich sie dreimal ablehnen muß, bevor wir es in Erwägung ziehen können.“ – „Wann kommt sie wieder?“ – „Wenn sie eine Antwort gefunden hat auf die Frage, die ich ihr mitgegeben habe.“ – „Welche Frage?“ – „Du weißt, Nicht-juden müssen, um in den Himmel zu kommen, nur die sieben noachidischen Gebote befolgen. Also frage ich immer: Warum wollen Sie sieben Gebote eintauschen gegen 613 Gebote, die Sie als Jude befolgen müssen. Was eigentlich kaum zu bewältigen ist.“ – Liliane kommt ins Grübeln, und keineswegs darüber, dass es tatsächlich 613 Gebote sind. „Meiner Mutter fällt bestimmt eine richtige Antwort ein.“ – „Ich habe der junge Frau gesagt, sie soll das nächste Mal alleine kommen.“ – Das macht Maren auch nicht ruhiger. „So weit ist noch keine von Daniels Schicksen gegangen.“, murmelt sie. „Diese Schickse ist anders. Die meint es wirklich ernst.“ – Der Rabbi nickt und sagt: „Sei doch froh, hast du deinen Sohn endlich verheiratet und jüdische Kinder bekommst du auch.“ (Das ist hier nur der Einfachheit halber so erzählt. In der Umsetzung findet das Vorsprechen Marens beim Rabbi ON statt, und dann erzählt er Liliane nur, dass Maren und ihre Mutter bei ihm waren wegen Konversion, aber keine Details.)

Da weiß Liliane aber auch noch einen anderen Weg, wie sie ihren Sohn verheiratet und jüdische Kinder bekommt. Sie hat über ihr Gespräch nachgedacht, sagt sie zu Nadja. Sie würde sie gerne mit ihrem Sohn bekannt machen – um genau zu sein, verkuppeln, denn es wäre gut, wenn er die Absicht nicht bemerken würde. – „Damit er das Gefühl hat, er muß mich erobern.“ – Was will man dieser jungen Frau noch beibringen. – „Also färbst du dir die Haare?“ – „Im Ernst? Ich dachte es sei nur ein Spaß gewesen, was wir geredet haben. Hat er denn keine Freundin?“ – Darf man lügen? Oder darf man über so eine wichtige Frage hinweggehen? – Liliane entscheidet sich für Letzteres. So dass es am Ende nur noch um die Frage geht, wann Nadja blond wird und wann Liliane ein zufälliges Treffen mit ihrem Sohn einfädelt.
Fortsetzung folgt

ã Askania Media Filmproduktion GmbH/Wolfgang Gensheimer

Sonntag, 6. März 2011

Schicksenplot 1

Die Schickse und mein Prinz
alternativ:
Diese Schickse ist anders
Plotskizze für eine 90minütige TV-Komödie
Wolfgang Gensheimer
10.05.09

Die Idee ist, die Geschichte von den verfolgten Liebenden einmal nicht aus der Perspektive der Liebenden, sondern aus der Gegenperspektive zu erzählen. Als einen Fall von extremistischer Mutterliebe. Dem Fall einer jiddischen Mamme, die mit aufopferungsvoller Radikalität nur das Beste für ihren Sohn will und ihn sich damit zum erbitterten Feind macht.

Die Mutter ist Liliane Katz (49). Ihr Reichtum, ihr Glück und Lebensinhalt sind ihre beiden Kinder Daniel und Perle. Die zu den Kindern gehörenden Väter sind ihr verloren gegangen. – Aufgewachsen ist Liliane in New York als Tochter jüdischer Eltern, einer deutschen Emigrantin und eines kroatischen Diplomaten; die Mutter assimiliertes Berliner Bürgerkind, der Vater in erster Linie Kommunist, also Atheist. – Liliane selbst hält es mit der jüdischen Tradition wie es ihr gerade einfällt und paßt, mal observant, mal liberal, mal säkular. Nur in einem Punkt gibt es für sie keine Flexibilität: Für ihren Sohn wünscht sie sich mit aller Macht eine jüdische Frau. Das hat nichts mit Vorurteilen gegen Nichtjuden zu tun, sondern das ist tiefempfundener mütterlicher Pragmatismus. Denn sie will, dass Daniel eine Frau bekommt, die ihn so hingebungsvoll liebt, die ihn versteht und so aufpaßt, wie sie es immer getan hat. Und das kann in der Logik Lilianes nun mal nur eine Frau sein, die wie sie selbst Jüdin ist.


Daniel, Dr. Daniel Katz (29), war und wird immer sein: der kleine Prinz seiner Mutter. Er ist als Gefäßchirurg im Virchowklinikum tätig und arbeitet derzeit an einer Habilitationsschrift. Seine zweite Leidenschaft neben der Medizin ist das, was seine kleine Schwester so beschreibt: „Er sammelt Blondinen. Immer der gleiche Typ. Groß, langbeinig, flachbrüstig, Barbie-Näschen. Nichtjüdisch, versteht sich.“ – Seiner Mutter ist diese klischeehafte Fixierung ein Rätsel und mit jeder weiteren Affäre ihres Sohnes ein immer größeres Ärgernis, weil er mit diesen Frauen doch nur seine Zeit vertut, da sie für eine Heirat nun mal nicht in Frage kommen.


Perle (19) ist nach ihrem Abitur in einer Orientierungsphase. Geht es ihr schlecht, und es wird ihr schlecht gehen, will sie nach Israel auswandern und sich beim Mossad bewerben, vorläufig jedoch will sie endlich entjungfert werden. Dafür glaubt sie nun den geeigneten jungen Mann gefunden zu haben, Aaron (22), den sie gerade in Straßburg kennengelernt hat. – Das Triebschicksal ihres Bruders findet sie keineswegs rätselhaft: „Soll er sich eine Frau suchen, die ist wie unsere Mutter? Mamme hat er soviel bekommen, dass es reicht für sein ganzes Leben. Also sucht er sich eine Frau, die in jeder Beziehung das genaue Gegenteil von ihr ist. Allerdings könnte er jetzt mal langsam fündig werden.“


Edith Katz (82) ist zum ersten Mal wieder in Berlin, seit sie die Stadt 1938 mit anderen jüdischen Kindern in Richtung England verlassen und ihre Eltern zum letzten Mal gesehen hat. Sie hat am Sitz der Vereinten Nationen in New York als Simultandolmetscherin gearbeitet und, wie sie zu sagen pflegt, „den gesamten Kalten Krieg vom Englischen ins Russische und vom Russischen ins Englische übersetzt“. – Liliane will nun, dass ihre Mutter nach Berlin übersiedelt, damit sie sich um sie kümmern kann. Doch je länger Edith dem Treiben ihrer Tochter zusieht, desto mehr gewinnt sie den Eindruck, dass sich jemand um Liliane kümmern sollte. Dringend.


Maren (27), diplomierte Übersetzerin, zur Zeit tätig als mehrsprachige Altenpflegerin. Sie ist bei ihrem Vater aufgewachsen, der immer gut zu ihr war, ihr aber weder die Mutter ersetzen noch ein richtiges Familienleben bieten konnte. – Wie sie aussieht, hat sie keine Not, einen Mann zu finden. Sie will aber nicht nur einen Mann, sie will eine Familie heiraten, eine Familie mit allem Drum und Dran. – Die ganze Maren ist so normal wie ihre Träume-Wünsche-Sehnsüchte und, machen wir uns nichts vor, eigentlich langweilig. Das ändert sich dann jedoch mit zunehmendem Drum und Dran.


Nadja Ginzburg (24) ist mit ihrem Eltern – Alexej (55) und Larissa (52) – und ihrem Bruder Michail (27) Mitte der 90er Jahre von St. Petersburg nach Israel ausgewandert. Zur Zeit lebt sie in Berlin, wo sie Gesang studiert. Ihre Eltern bestanden darauf, dass ihr Bruder sie begleitet, um auf sie aufzupassen. Diese Aufgabe nimmt er sehr ernst. – Da Nadjas Stipendium nicht ausreicht für sie beide und die Geschwister außerdem noch ihre Eltern finanziell unterstützen wollen, treten Nadja (Gesang) und ihr Bruder (Klavier) in Hotel-Bars auf, wo Nadja mit ihren angeschlampten Interpretationen von Jazz-Klassikern es zu Kult-Status gebracht hat.


Willst du Gott zum Lachen bringen? -
Erzähl ihm von deinen Plänen.

        Alles fängt damit an, dass Lilianes Aushilfe anruft und ihr mitteilt, dass sie für den Rest ihrer Schwangerschaft liegen muß, und sie deshalb nicht am Nachmittag in der Buchhandlungvertreten kann. Lilianes Ex-Mann kann auch nicht einspringen, aus einem Grund, den sie vergißt in dem Moment, da er ihn nennt, weil es sowieso gelogen ist. Und ihre Tochter hat in Straßburg ihren Zug verpaßt und wird erst am Abend zurück in Berlin sein. Nun hätte ihre Mutter, zu Besuch aus New York, ihre Expedition in die Vergangenheit auch auf einen anderen Tag verschieben können, an dem Liliane Zeit gehabt hätte, um sie zu begleiten. Aber in ihrem Alter geht das anscheinend nicht mehr, irgend etwas zu verschieben.

Also irrt Edith alleine in dem Haus in Charlottenburg herum, in dem sie aufgewachsen ist. Vorderhaus treppauf, treppab. War es die zweite oder die dritte Etage? Sie findet die Wohnung nicht, in der sie mit ihren Eltern lebte. Dann im Hinterhaus, treppauf, treppab. Die Wohnung, in der ihre Freundin Lotte wohnte, findet sie auch nicht. Doch dann hat Edith eine Erscheinung. Plötzlich steht Lotte vor ihr! - Nicht die Lotte aus Kindertagen, die sie zum letzten Mal gesehen hat, als sie neun Jahre alt waren. Nein, es ist die Lotte, als sie 30 war, die Edith von dem Foto kennt, aufgenommen kurz bevor Lotte bei einem Autounfall ums Leben kam. Und das ist einfach zu viel für die sowieso schon entkräftete und nach Atem ringende alte Dame. Sie kollabiert und fällt der Erscheinung direkt vor die Füße.

Die Erscheinung ist Maren. Eine ambulante Altenpflegerin, gerade von einem ihrer Klienten kommend. Sie schiebt der am Boden liegenden alten Dame ihre zusammengeknüllte Jacke unter den Kopf. Steckt ihr ein Stück Schokolade in den Mund. Nimmt sie bei den Füßen und hebt die Beine hoch. Mit seligem Lächeln kommt Edith wieder zu sich, sagt mehrmals beglückt „Lotte“, und als sich dann auch noch ihre Verwirrung gelegt hat, erklärt sie Maren, dass sie einen Moment glaubte, dass ihre Freundin aus Kindertagen vor ihr steht. Und da war es um sie geschehen.

Maren läßt es sich nicht nehmen, die witzige und auch gleich wieder äußerst lebhafte alte Dame nach Hause zu begleiten. Dort besteht Edith darauf, dass ihre Retterin mit ihr hoch in die Wohnung kommt, weil sie Maren unbedingt ihrer Tochter Liliane vorstellen möchte. Und als Edith dann die Fotos hervorholt, die Lotte ihr damals nach New York geschickt hat, muß auch Liliane zugeben, dass die Ähnlichkeit verblüffend ist und das Auf­einandertreffen im Treppenhaus schon einen Kollaps wert war. Trotzdem wäre es ihr lieber, wenn Edith und Maren ihre Bekanntschaft bei anderer Gelegenheit vertiefen würden und die Doppelgängerin von Lotte sich nun verabschiedet, flüstert sie ihrer Mutter zu. – Warum denn? – „Mom, es ist Freitagabend. Da möchte ich, dass wir unter uns sind.“ – „Dann gehe ich eben mit ihr in mein Zimmer.“ – Liliane verdreht die Augen. Sie könnte Edith jetzt sagen, dass es noch einen anderen Grund gibt als den, dass sie keine nichtjüdischen Bekannten am Sabbat-Abend zu Gast haben möchte. Doch da kommt auch schon ihr Sohn Daniel mit seiner Schwester Perle, die er vom Zug abgeholt hat. Er sieht Maren, die große, langbeinige, flachbrüstige Blonde mit ihrem Barbie-Näschen, die wie gemalt in sein Beuteschema paßt. Und schon ist es passiert. Nun besteht nicht mehr nur Edith darauf, dass Maren bleibt, sondern auch Daniel lädt sie ein zu bleiben: „Es wird Ihnen gefallen.“ – Was? – „Wenn wir Sabbat feiern.“ – „Sabbat feiern?“ – Jetzt muß Maren nicht mehr genötigt werden. Das will sie sehen. „Warum haben Sie mir das nicht erzählt, dass sie Jüdin sind?“ fragt sie Edith. – „Weil es mir nicht so viel bedeutet - wie zum Beispiel meiner Tochter“, antwortet Edith und fügt dann hinzu, was sie offenbar schon zu oft gesagt hat, denn Perle und Lilianen stimmen unisono in den Satz ein: „Wenn Hitler nicht gekommen wäre, hätten wir vergessen, dass wir Juden sind.“

Schließlich sind alle um den Sabbattisch versammelt. Perle zündet mit ihrer Mutter die Kerzen an. Daniel spricht den Kiddusch über den Wein und den Segen über das Brot. Und dann kommen die Fragen von Maren. Alle schon unzählige Male gehört; Grund dafür, warum Liliane am Sabbat keine Nichtjuden mehr zu Gast haben will. - Warum bedecken Sie Ihre Augen, nachdem Sie die Kerzen angezündet haben? Ist das ein Gebet gewesen, was Sie da gesprochen haben? Wieso sind es zwei Brotlaibe, die gesegnet werden? … Dann kommt allerdings eine Frage, die noch niemand gestellt hat. Nachdem sie mitgekriegt hat, dass Daniel Chirurg ist, fragt Maren allen Ernstes, nein, natürlich nicht allen Ernstes, sondern weil sie es jetzt für angebracht hält, mit dem Begattungsritual zu beginnen: „Und das Mützchen, das Sie da aufhaben, tragen Sie das auch im Operationssaal?“ – Da schaut selbst Edith betreten. Aber Daniel ist ganz entzückt und erklärt ihr geduldig, dass es sich bei dem Mützchen um eine Kippa handelt, und dass er die nur im Haus oder in der Synagoge trägt. – Dann ist er also nicht so ein strenger Jude? – Liliane, die dem Dialog mit hochgezogenen Augenbrauen folgt, kapiert: Ach so! Darauf wollte sie hinaus. – Und jetzt Daniel, ihr schlauer Prinz, was wird er antworten? - „Streng nicht. Aber typisch schon.“ – Wie meint er das? fragt Maren. Und da ist Liliane jetzt auch mal gespannt. – „Naja“, antwortet er, „zum Beispiel wohne ich immer noch bei meiner Mutter.“ – „Das heißt also, dass Sie keine feste Freundin haben?“ – Daniel schüttelt den Kopf und strahlt. Maren strahlt zurück. Und Liliane dreht den Kopf zur Seite und schneidet eine Grimasse zu Perle hin. Jetzt hat sie es also mal aus allernächster Nähe mitgekriegt, wie das läuft mit ihrem Prinz und seinen Blondinen.
Nachdem Daniel und Maren sich zu weiteren Vorgesprächen verabschiedet haben, zählt Liliane an ihren Fingern ab: „Heike, Kerstin, Anne, Lena, Stephanie, Martina, … .“ – „Silke, Tanja, Julia“, hilft Perle aus. Liliane mit hilflosem Blick zur Zimmerdecke: „Und jetzt also die nächste Schickse. Maren. Und meine Mutter hat sie auch noch für ihn angeschleppt.“ – „Schickse! Was nennst du sie Schickse?!“ grummelt Edith. - „Schickse heißt nichtjüdisches Mädchen“, erklärt Liliane. Als ob ihre Mutter das nicht wüßte: „Ja, und?! Sind Blondinen deine natürlichen Feindinnen? Oder bist du Rassistin? - Lerne sie doch erstmal kennen. Vielleicht ist sie ja ganz patent. Bei mir war sie es jedenfalls, als ich vorhin meinte, dass ich gleich meinen letzten Schnapper mache.“ – „Ich will sie nicht kennenlernen.“ – „Weil du eine jüdische Fundamentalistin bist?“ – „Was soll ich sie kennenlernen, mich an sie gewöhnen und sie vielleicht liebgewinnen, wo ich weiß, dass sie nicht zu ihm paßt, und er es spätestens in einem Jahr selbst gemerkt hat.“ – Edith wackelt unwillig mit dem Kopf und läßt nun ihrerseits die Mutter raus: „Warum kümmerst du dich nicht mal um dich selbst und suchst dir wieder einen Mann? Get a life! Und laß dem Jungen seins.“ 
Fortsetzung folgt

ã Askania Media Filmproduktion GmbH/Wolfgang Gensheimer

Dienstag, 8. Februar 2011

o.k.

-----Original-Nachricht-----
Subject: nochmal Foto
Date: Tue, 08 Feb 2011 06:01:22 +0100
From: "Peter xxxxxxxxxxx
To: W.Gensheimer xxxxxxxxxxxx
Wolfgang,
ich verstehe nicht ganz, warum du so sauer bist.
Du kannst halt keine Fotos veröffentlichen,
ohne vorher zu fragen
und in diesem Fall wars mir aus persönlichen Gründen unangenehm.
Ich spiele halt gerne mit Photoshop rum
und betrachte für mich privat die Rechte anderer nicht,
was ja nicht so schlimm ist,
wenn die Bilder bei mir bleiben,
oder ich sie jemandem zeige
und manchmal gehts schief,
wie in diesem Fall.
Du kannst ja schreiben was du willst,
aber Fotos sind eine andere Sache,
wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt.
Ich musste letztes Jahr über 3000 € an Anwälte zahlen
wegen Verletzung von Urheberrechten
und zwei meiner ehemaligen Freundinnen wollten,
weil ich vielleicht was Falsches gesagt habe,
dass ich den gesamten Fotobestand
aus 30 Jahren sofort vernichte.
Und was die Ärzte betrifft:
Manchmal kneife ich gern,
aber das besprech ich mit meinem Therapeuten,
zu dem ich mich durchgerungen habe,
auch wenn ich lieber alles mit mir selber ausmachen würde.
Lonesome Cowboy halt.
Lügen tu ich nicht,
nur manchmal flunkern.
P.

-----Original-Nachricht-----
Subject: Re: nochmal Foto
Date: Tue, 08 Feb 2011 08:19:06 +0100
From: "W.Gensheimerxxxxxxxxxxx
To: Peterxxxxxxxxx 
Geärgert hat mich, dass ich am Samstag mit diesem Schlamassel dagestanden habe - der blöden Geschichte und dem formalen Problem mit Susannes echtem Foto: was schreibe ich drüber? Diesen Schlamassel habe ich mit angerichtet, indem ich das falsche Foto im Glauben es sei ein echtes, veröffentlicht habe, ohne Dich zu fragen. - Tieferer Grund des Grolls und schwer irritierend ist, was zuvor geschah: dass Du mich glauben gemacht hast, das falsche Foto sei ein Foto von Susanne und dazu den herzergreifenden Satz geschrieben hast, Du kennst ihn. Da hast Du mich angeführt, getäuscht, da hast Du gelogen, geflunkert, es ist Deine Sache, wie Du es nennen willst, und es ist Deine Sache, was Du da mit jemandem anderen und mit Dir machst. Ich kann da jetzt drüber weggehen, nachdem ich gestern noch mal ausgesprochen habe, wie es mich geärgert hat; im Text ist ja auch schon die Wendung zur entspannten Sicht. Die habe ich. Wenn Du jetzt nicht beleidigt bist, können wir weitergehen.
W. 

-----Original-Nachricht-----
Subject: Re: nochmal Foto
Date: Tue, 08 Feb 2011 08:33:38 +0100
From: Peter xxxxxxxx

To:  W.Gensheimer xxxxxxxxxx 

 o.k. aber ich vertraue dir am Ende noch an, daß, seit ich Photoshop habe, noch nie ein Bild unmanipuliert aus dem Haus gegangen ist. Es reizt halt sehr, die Leute schöner zu machen, als sie sind. Mein schärfster Kritiker ist dabei mein Sohn, der das doof findet.
P.